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#615 Anatomie

©justbridge entertainment
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Deutscher Slasher der funktioniert!

Anatomie (7/10)

Story:

Für die ehrgeizige Medizinstudentin Paula (Franka Potente) geht ein Traum in Erfüllung: Sie wird zu einem Elitekurs in Anatomie bei dem berühmten Heidelberger Professor Grombek zugelassen. Doch die Freude wandelt sich schnell in jähes Entsetzen, als vor Paula auf dem Seziertisch ein junger Mann liegt, der tags zuvor noch quicklebendig war. Allen Warnungen zum Trotz stellt Paula Nachforschungen an und stößt schon bald auf einen mysteriösen Geheimbund, der in den Gemäuern des ehrwürdigen Instituts sein Unwesen treiben soll. Dass sie sich damit selbst in Lebensgefahr bringt, merkt Paula erst spät – sehr, sehr spät ...

 

Der deutsche Genre Film hat es schwer, z.B: hier nachzulesen. Deutsche Horrorfilme gibt es nicht viele, gute noch weniger und Filme die dazu noch gut aussehen und ein ordentliches Budget haben, sind sehr selten. Eine Ausnahme die die Regel bestätigt ist Anatomie!

 

Die Grundidee an sich ist die große Stärke und so etwas wie das Rückrat des Ganzen. Wer hat sich noch nie bei einem Arzt etwas ausgeliefert gefühlt? Wer hatte bei einem komischen Arzt noch nie ein paar Fragezeichen im Hinterkopf. Anatomie treibt das Ganze auf die Spitze.

 

Anatomie enstand 2000 so ein wenig auf der Welle der Horrorfilme Ende der 90er. Man sieht ihm seine Vorbilder schon etwas an (Scream 1-3, die ich weiß was du letzten Sommer gemacht hast Filme usw.), aber er gibt dem ganzen eine eigene Note.

Das ist das Besondere an Anatomie, er braucht sich vor internationalen Konkurrenten nicht zu verstecken und gleichzeitig wirkt er so herrlich deutsch. Das liegt zum einen natürlich an den deutschen Darstellern, aber auch an den herrlich bilderbuchartigen Bildern von Heidelberg. Das ist ein wirklich toller Kontrakt.

 

Den geht es in die Uni und vor allem in die Anatomiesääle dann wird es klinisch sauber, sehr kalt von der Optik her. Vom Look her sind die Szenen im Anatomie Saal hochpoliert und die Szenen in idylisschen Heidelberg so weich gezeichnet, das wirkt schon wie ein Heimatfilm.

Manchmal ist mir der Kontrakt sogar etwas zu stark, hier und da wirken ein paar Szenen etwas deplatziert oder fügen sich nicht wirklich passend in das Gesamtkonstrukt ein. Ich denke da zum Beispiel an die Szene am See. Da kommen so ein paar Komödien und Teenie Momente zu viel auf und bei diesen Szenen meine ich auch das man da etwas auf den Zug der Vorbilder springen wollte (Scream usw.) 

 

Schauspielerisch sind hier einige Darsteller dabei die auf Jahre das deutsche Kino und oder Fernsehen prägen sollten: Franka Potente, Benno Führmann, Anna Loos oder Sebastian Blomberg. Dreh und Angelpunkt ist Potente und nach dem Erfolg von Lola rennt zeigt sie auch hier das sie einen Film tragen kann.

Anna Loos war auch damals ein ziemlicher Hingucker, mir ist ihre Rolle nur etwas zu dümmlich angelegt. Oder anders, sie ist super intelligent, aber wie sie sich verhält ist einfach unrealistisch. Benno Führmann gibt ne gute Figur ab.

Die Auflösung des Killers geht mir etwas zu schnell, das ist zu früh im Film. Bis dahin gefällt mir der Film deutlich besser, hat ein paar Schockmomente und baut schön Suspense auf. Ich glaube der Film wäre noch besser gewesen, wäre er noch fokussierter und vielleicht einfacher. Danach verzettelt sich der Film etwas in Nebensträngen obwohl das ganze Thema mit den AAA (Antihippokraten) ordentlich Potenzial hat, das hier angekratzt wird. 

Die ganze Idee mit diesem Geheimbund hat soviel Potenzial und wirkt gar nicht so unwahrscheinlich wie man auf den ersten Blick meinen darf. Auch hier hätte man etwas mehr rausholen können. Trotzdem kann der Film auch mehr als 20 Jahre nach seiner Enstehung immer noch überzeugen und hat definitiv seine Momente (ich denke da vor allem an das erste Opfer was aus der Betäubung erwacht).

 

Anatomie wurde ein großer Erfolg mit mehr als 2 Mio Kinobesuchern in Deutschland. Für einen Genre Film aus Deutschland ein großartiger Erfolg. Er wurde tatsächlich sogar der erfolgreichste deutsche Film des Kinojahrs 2000.

Anatomie 2 geht drei Jahre später eine doch deutlich andere Richtung als Teil 1. Er hat seine Momente, aber ich bin doch deutlich mehr der Fan von Teil 1, der packt mich atmosphärisch deutlich mehr und ist der bessere Horrorfilm.

 

Von Anatomie (1&2) ist vor kurzem, von justbridge entertainment ein hervorragendes Mediabook herausgekommen, hier auf Amazon kaufbar. Das Booklet wurde von einem Freund der Seite Christoph N. Kellerbach geschrieben und gibt gute Einblicke in die Enstehungsgeschichte und Bedeutung der Filme. Das Mediabook ist auch wirklich schön gestaltet und vor allem das Cover ist ein wirklicher Hingucker.


Fazit: Man merkt Anatomie seine Entstehungszeit bzw. seine Vorbilder schon an, aber gleichzeitig hat der Film eine interessante eigene Note und braucht sich durchaus vor seinen amerikanischen Konkurrenten nicht zu verstecken. Der Film hat seine Momente und versteht es durchaus Spannung zu versprühen.