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#74 Das Jerico Projekt

©Splendid
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Ein grandioser Costner in einer ungewohnten Rolle!

 

Das Jerico Projekt oder Criminal (7,5/10)

Story:

Einen Großteil seines Lebens hat Jericho (Kevin Costner), der wegen eines Gehirnschadens brutal und emotionslos agiert, hinter Gittern verbracht. Jetzt wird er gezwungen, der Welt zu helfen, die durch eine destruktive Software ins Chaos stürzen könnte. Nur CIA-Agent Pope (Ryan Reynolds) kannte das Versteck von Jan Stroop, der die Software entwickelte. Nach Popes Ermordung werden seine neuronalen Muster in einem experimentellen Verfahren auf Jericho übertragen. Fortan kämpft Jericho mit Stroops skrupellosem Auftraggeber, aber auch mit Popes berührenden Erinnerungen an seine Frau (Gael Gadot).

Die Geschichte hat definitiv Elemente von Face Off (von John Woo) oder auch klassische Elemente der Frankenstein Filme (bezogen auf den Charakter der Emotionen erst erlenen muss).

Auf diese ganze Prämisse muss man sich einlassen können und wollen.
Wer das nicht kann, der wird mit diesem Film nichts anzufangen wissen.
Wer sich darauf aber einlassen kann und das einfach als Rahmen des Films betrachtet, der wird viel Spaß haben.

Der Film hat einen grandiosen Cast. Schon die kleineren Rollen sind gut besetzt. Scott Adkins (leider ohne einen Fight und deshalb verschwendet…aber schauspielerisch ok und gegen seinen Typus gecastet), Amaury Nolasco (Prison Break), Alice Eve (Star Trek) als CIA Agenten, Antje Traue (Man of Steel), Jordi Molla (Bad Boys II) als Terroristen und Michael Pitt (7Psychos) als Hacker runden den außerordentlichen Cast ab.

Eine kleine JFK (Oliver Stone) Reunion darf man in diesem Film auch bewundern. Drei der größten Schauspieler der letzten Jahre (eher Jahrzehnte) geben sich hier ein Stelldichein. Dabei werden alle drei gegen ihren „normalen“ Typus der letzten Jahre eingesetzt. Tommy Lee Jones spielt untypisch, einen feinfühligen und sehr passiven Arzt. So etwas wie die gute Seele des Films.

Gary Oldman spielt einen CIA Vorgesetzten, der wenn es sein muss über Leichen geht und immer das große Ganze im Blick hat. Dabei ist er nicht böse sondern macht das aus Überzeugung. Sein Darbietung  leidet etwas darunter das sein Charakter häufig etwas doofe Entscheidungen trifft.

Herz und Seele des Films ist aber Kevin Costner als Jerico. Man sieht ihm richtig die Freude an gegen seinen ursprünglichen Rollentypus anzuspielen. Costner hat immer einen gewissen Charme und man mag ihn einfach, aber am stärksten ist er hier in den ersten 45 min als empathieloser Psycho der einfach macht was er will ohne die Konsequenzen zu beachten.
Seine Entwicklung im weiteren Verlauf des Films wird auch überzeugend rübergebracht. Der Film hätte auch kippen können mit einem anderen Darsteller. Costner ist perfekt für diese Rolle obwohl er sie zu Beginn nicht spielen wollte und überzeugt werden musste!

Ein glückliches Händchen und ein wenig den Vogel abgeschossen haben die Macher mit zwei anderen Casting Entscheidungen.
Gael Gadot (Fast Five) hat zwei Wochen nach dem sie die Rolle angenommen hat, die Bestätigung bekommen, dass sie in Zukunft Wonder Woman spielt und Ryan Reynolds hatte gerade Deadpool abgedreht und stand nur eine Woche zur Verfügung. 
Beide überzeugen in ihren (da sind wir wieder, atypischen) Rollen. Gadot bringt eine gewisse Verletzlichkeit und Stärke in die Rolle, während man bei Reynolds einen schönen Schockeffekt zu Beginn hat, mit seinem Ableben.

Ein wirklich grandioser Cast für ein Genre Movie. Mehr ist dieser Film nicht, aber auch nicht weniger. Eigentlich passt er von der Prämisse her perfekt in die 90er, aber es ist absolut erfrischend und wohltuend das so ein Film auch in der heutigen Zeit noch produziert wird.

Der Film ist durchgehend spannend inszeniert und es kommt keine Langeweile auf.
Die ein oder andere größere Actioneinlage hätte es dann aber doch sein können. Die Action ist gut gemacht und kompromisslos, keine Frage, nur bleibt auch keine Sequenz einem wirklich lange im Hinterkopf.

Das Setting in London gibt dem Film einen guten Look und lässt ihn teurer erscheinen als er schlussendlich war.

Regisseur Ariel Vromen (Iceman mit Michael Shannon, Ray Liotta, Chris Evans und Winona Ryder) musste wohl viel kämpfen um seine Vorstellungen durchzusetzen (laut Making of vor allem die Szenen in denen Jerico noch ohne Reue, Menschen tötet).
Das ist kein Wunder bedenkt man das der Film von Millenium Films und Avi Lerner produziert wurde.
Lerner ist vor allem bekannt für Filme wie Expendables, The Mechanic, Olympus has Fallen und London has Fallen.
Tolle Actionkracher, aber mit ziemlich einfachen Schwarz Weiß Mustern. Da ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Hier hätte es bei einer Figur wie Jerico aber nicht funktioniert.

So interpretiere ich auch das Ende als Zugeständnis den Produzenten gegenüber. Es wirkt doch eher antizyklisch und eher unpassend für den sonstigen Filmverlauf.

Der Film hat also seine Schwächen und auch die im Genre bekannten Logiklücken, aber er unterhält einfach über die Laufzeit von 2 Stunden. Es kommt keine Langeweile auf. An den richtigen Stellen werden kleine Humorspitzen eingebaut, ohne es zu übertreiben. Der Film vermittelt Gefühle ohne (bis aufs Ende) in Kitsch zu verfallen und er bietet gute Action. Ein gutes, einfach unterhaltsames Gesamtpaket.

Fazit: Sehr unterhaltsamer Film mit starkem Cast und einem grandiosen Costner der in einer untypischen Rolle absolut überzeugt.

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