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#680 Samaritan

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Mich hat der gut unterhalten

 

Samaritan (7/10)

 

Story:

Der dreizehnjährige Sam (Javon "Wanna" Walton) vermutet, dass sein mysteriöser, zurückgezogen lebender Nachbar Mr. Smith (Sylvester Stallone) in Wirklichkeit der legendäre Superheld Samaritan ist, der vor 25 Jahren für tot erklärt wurde. Da die Kriminalität zunimmt und die Stadt am Rande des Abgrunds steht, möchte Sam seinen Nachbarn dazu bringen, die Stadt vor dem sicheren Untergang zu bewahren.

 

Sylvester Stallone ist inzwischen bereits 76 Jahre alt und macht auch im hohen Alter nicht nur mit seinem Privatleben Schlagzeilen (die anstehende Scheidung mit seiner Frau), nein er liefert auch weiterhin Filmfutter für seine Fans.

Hier liefert er uns einen Superheldenfilm. Es gibt wohl kein Genre was in den letzten 15 Jahren erfolgreicher und so dominant war wie der Superheldenfilm. Hier haben wir es mal nicht mit DC oder Marvel zu tun sondern einem unabhängigen Helden.

 

Der Film hatte eine interessante Produktionsgeschichte. Der Film wurde von MGM mit Balboa Productions (der Produktionsfirma von Stallone) produziert und das bereits 2020. Die Dreharbeiten verzögerten sich durch die Corona Pandemie und was wurde bereits über die Qualität des Films gemunkelt nachdem er nicht in die Kinos kam sondern von Amazon gekauft und exklusiv auf Prime zur Verfügung steht.

 

Räumen wir das doch direkt aus dem Weg, der Film ist kein sofortiger Klassiker oder wird die Filmwelt verändern, aber er ist auch bei weitem nicht so schlecht oder langweilig wie er gemacht wird. Der Film macht durchaus Spaß und mit der richtigen Einstellung wird man sehr gut unterhalten und für Fans für Sly ist der Film eh Pflicht.

Sly zeigt auch mit Über 70 das er überzeugend in so einer Rolle auftreten kann. Dadurch das er Superkräfte besitzt kann man auch einige Sachen gut überspielen und es wirkt nicht so unglaubwürdig wie wenn er mit 70 (ohne Superkräfte) einen 30 jährigen verprügelt.

 

Auch schauspielerisch finde ich das Sly hier mehr als überzeugt. Seine Mimik passt sehr gut zur Rolle und auch der Look, die grauen Haare, der graue Bart, stehen ihm sehr gut. Die schroffe Rolle passt auf jeden Fall zu ihm und hier und da darf er sogar etwas Humor einfließen lassen. Der Charme von Sly überzeugt halt auch noch mit über 70.

Sly hält den Film auf seinen Schultern, die anderen Darsteller sind ordentlich, aber es sticht auch niemand wirklich heraus. Der Bad Guy ist ok, aber nicht auf dem Level von Sly. Das Kind ist gut gecastet und die Chemie mit Sly stimmt, das könnte schlimmer sein.

Beim Drehbuch gibt es aber schon eher Probleme. Der Film hätte kompakter sein können, hier und da zieht es sich etwas und die ein oder andere Szene zwischen Sly und dem Kind wirkt nicht so organisch, der Film trifft nicht immer den richtigen Ton.

Auch gibt er sich eher weniger Mühe in der Erklärung der Konfrontation und vor allem der Motivation der Charaktere. Das ist häufig auf das Minimum runtergebrochen, der Prolog den finde ich visuell ziemlich geil, aber inhaltlich ist das eher einlagiges Toilettenpapier.

Übrigens finde ich den Twist (den manche nicht vorhergesehen haben) überhaupt nicht überraschend sondern den konnte man aus meiner Sicht nach 5 Minuten meilenweit gegen den Wind riechen. Dafür finde ich den sehr gut umgesetzt und das ist eine der stärksten Szenen von Sly im Film.

Etwas mehr Budget hätte dem Film auch definitiv gut getan. Eine oder zwei Massenszenen mehr hätten den Film epischer aussehen lassen. Auch beim CGI ist nicht alles gelungen (der junge Sly anyone *hust *hust), aber auch bei weitem nicht so schlecht wie es gemacht wird. Das finde ich durchaus, zum Großteil, überzeugend.

 

Was der Film jedoch einfach richtig gut macht sind die letzten 25 Minuten. Wenn Sly dann mal richtig mit seinen Kräften spielen darf und massenweise Leute vermöbelt und dabei One Liner droppt, dann geht mir richtig mein Herz auf. Das ist der Sly den ich für alle Zeiten lieben werde und diese 25 Minuten werde ich mir definitiv wieder ansehen.

 

Ich habe erst nach der Sichtung erfahren das der Film wohl nach Fertigstellung von Gewaltgrad runtergeschnitten wurde (FSK 16 auf FSK 12) das ist mir bei der ersten Sichtung gar nicht aufgefallen. Bei der nächsten Sichtung habe ich darauf geachtet und dann erkennt man das in ein paar Szenen. Es stört mich nicht extrem, aber man merkt es dann doch.

 

Natürlich wäre mit einem besseren Drehbuch und/oder Regisseur (der für Operation Overload verantwortlich war) mehr drin gewesen und es wird einiges an Potenzial auf der Straße liegen gelassen, nichtsdestotrotzt macht das Spaß und funktioniert als geradliniger Action Superheldenhybrid mit durchschnittlichem Anspruch und einem guten Sly mehr als gut.

Ich hoffe das der noch auf Disc herausgebracht wird, damit ich den in meine Sly Sammlung packen kann. Am besten in einer Extended (Gewaltszenen) Fassung.

 

Fazit: Sly zeigt noch im hohen Alter was er draufhaut. Er trägt den Film und überzeugt als alternder und vor allem widerwilliger Held durchgehend. Dem Film hätte mehr Budget und etwas mehr Arbeit am Drehbuch vertragen können, aber mit der richtigen Einstellung hat man hier richtig Spaß!

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