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#700 Exit Wounds

©Warner Bros
©Warner Bros

Der letzte große Seagal Kracher! 

 

Exit Wounds (8.5/10)

 

Story:

Er ist der härteste Bulle Detroits und ein Einzelgänger, der im Einsatz keine Gnade kennt: Orin Boyd (Steven Seagal) macht keine Gefangenen. Als Folge seines eigenwilligen Verhaltens wird er von seinen Vorgesetzten in den übelsten Distrikt Detroits abgeschoben. Dort findet er sich in einem undurchsichtigen Sumpf aus Drogen, Gewalt und Korruption wieder, der sich bis in die höchsten Ränge des Polizeipräsidiums zieht. Orin nimmt den Kampf auf, doch dabei stellt er sofort fest, dass er bei dieser Mission keine Freunde und keine Verbündeten hat. Nur der geheimnisvolle Drogenbaron Latrell Walker (DMX) scheint ein doppeltes Spiel zu spielen.

 

Exit Wounds hat eine besondere Bedeutung in der Karriere von Mr. Seagal. Zugleich ein Höhe- wie auch ein Wendepunkt, den danach begann der Abstieg in die Untiefen des bulgarischen und rumänischen Direct to DVD Sektors aus dem es für ihn kaum ein Entrinnen mehr gab/gibt.

 

Trotzdem extrem spannend wenn man bedenkt, das Seagal vor Exit Wounds, nach dem Flop von The Patriot knapp 3 Jahre keinen Film gemacht hat. Mit Exit Wounds entfernte er sich auch deutlich von seinem Look und den Motiven der vorherigen Filme: Auf brennendem Eis, Fire Down Below und The Patriot.

Hier war er deutlich erschlankt, im Vergleich zu heute, quasi ein Halber Seagal (wenn nicht sogar weniger), hatte "normalere" oder coolere Klamotten an, verabschiedete sich von seinem Ponytail und vor allem wurde das ganze esoterische Gebrabbel unterbunden. Sein Charakter Name Orin ist aber auch grandios, wer auf diese Idee kam dem gehört ein Preis vermacht.

 

Das ganze basiert übrigens auf einem Buch. Der Charakter des Orin Boyd hat jedoch nix mit der Figur im Film zu tun, da wurde maximal das Grundgerüst genommen, alles andere wurde nach verschiedensten Einflüssen (Hip/Hop, Action, Martial-Arts, Cop-Thriller) umgemodelt.

Man hat das Gefühl das die Macher einen HipHop Actioner mit Steven Seagal machen wollten und keinen Seagal mit Hip Hop Einflüssen, was ein riesiger Unterschied ist. Er ist zwar immer noch im Zentrum des Films, aber es passiert so viel um ihn herum, das er eher wie ein Teil des Puzzles wirkt.

Da damals Wire Work der heiße Scheiß war (Danke Matrix) wurde das selbst in einen Seagal Film reingeschmuggelt und selbst der Großmeister der gepflegten Keilerei konnt sich der Sache nicht entziehen. Die Szenen hätte für meinen Geschmack nicht gebraucht, weil sie wirken etwas losgelöst vom Film. Auch wenn es lustig ist Seagal über ein Auto fliegen zu sehen, anscheinend hatte er sich dabei sogar verletzt.

 

Man kann eigentlich nicht über Exit Wounds sprechen ohne kurz über Romeo must Die (mit Jet Li) zu sprechen. Dieser Film von Bartkowiak als Regisseur (sein Durchbruch als Regisseur, war er zuvor ein gefeierter Kameramann der zusammen mit Legenden wie Sidney Lumet arbeitete) und produziert von Joel Silver, verband Martial Arts mit Hip Hop und war ein Riesen Erfolg, also wollte man dies wiederholen. Bartkowiak lieferte später noch Born to Die (mit DMX und Jet Li) ab und danach leider auch einige Gurken (Street Fighter/Story of Chun Li oder Maximum Impact).

 

Da der Auftritt von DMX in Romeo must Die (der damals einer der angesagtesten Rapper der Welt war) ein großer Erfolg mit den Kinogängern war wurde er für diesen Film nicht nur erneut verpflichtet, nein seine Rolle wurde deutlich ausgebaut. Übrigens waren auch Isaiah Washington und Anthony Anderson Teil von Romeo must Die.

 

DMX zeigt damals riesiges Potenzial, er überrascht in seiner Rolle die tatsächlich ungewöhnlich angelegt ist, schließlich ist er nicht der klassische Mobster. Leider konnte seine Karriere das Potenzial nicht ausschöpfen (lag wohl auch an ein paar Drogenproblemen), aber hier überrascht er und ist stiehlt Seagal hier und da die Show.

Die Szene in der die beiden kämpfen und auf einmal eine Pause machen und danach sind sie best friends, grandios. Das Drehbuch ist eine einzige Ausrede um coole Actionsequenzen unterzubringen. Alleine schon der ganze Beginn in der Seagal quasi im Alleingang einen Ambush auf den Vizepräsidenten abwehrt und mit einer Pistole einen Huschrauber zum explodieren bringt, Alter Schwede! Für die Rettung des Vizepräsidenten bekommt Seagal übrigens einen Einlauf und eine Versetzung, wahnsinn! Es gibt da noch einige weitere Highlights wie z.B. das Heroin aufgelöst in Shirts geschmuggelt wird!

 

Der Film versucht einiges an Humor einzubinden, vor allem durch die Figuren von Anderson und Arnold. Anderson gefällt mir deutlich besser, vor allem da die ganzen Anger Management Szenen um Tom Arnold unfreiwillig komisch wirken, aber in Verbindung mit dem stoischen Seagal, der irgendwie so gar kein komödiantisches Talent besitzt, ist das schon wieder grandios! Auch die Sequenz als Verkehrspolizist ist so Banane das sie wieder Spaß macht.

 

Isaiah Washington darf den Partner von Seagal spielen und gibt als gutmütiger Familienvater und rechtschaffender Cop eine gute Figur ab. Irgendwie hat es nie zu einer größeren Karriere gereicht, in den letzten Jahren war er mal in der Presse weil er einen Kollegen am Set von Greys Anatomy als Schwuchtel beleidigte und dafür einen Shitstorm kassierte.

 

Der Cast kann sich sehen lassen. Eva Mendes ist hier komplett am Beginn ihrer Karriere zu sehen. Eigentlich ist sie verschwendet, aber wie immer hübsch anzusehen. Bruce McGill und Bill Duke sind Nebendarsteller die einen Film mit ihrer Präsenz aufwerten. Duke darf hier zwei seiner Standardrollen abfeiern, einmal denn brummbärigen Police Chief die Seagal nicht leiden kann und am Ende verwandelt er sich in seine Predator Rolle (auch von Silver poduziert).

Michael Jai White sehe ich immer gerne und er darf mit Seagal kämpfen (eins der Highlights des Films), was möchte man mehr? Sein Ableben ist auch schön grafisch (die FSK 18 ist verdient). Jill Hennessy als Vorgesetzte im neuen Precinct ist eine ungewöhnliche Wahl, aber das Zusammenspiel zwischen Ihr und Seagal funktioniert wirklich gut. Exit Wounds wäre aber nicht Exit Wounds wenn man nicht mit den Erwartungen der Zuschauer spielen würde, gerade dann wenn Seagal und sie ordentlich am flirten sind wird sie aus dem Film geschrieben, sehr überraschend und eigenwillig. Ich finde Hennessy richtig klasse!


Man bekommt hier einen gut gefilmten (hey, wenn Bartkowiak was kann, dann Dinge gut einfangen) Actioner mit Verfolgungsjagden, Schussgefechten und Keilereien am Fließband. Seagal darf auch schön klassisch paar junge Gauner verprügeln die sich an seinem Auto vergehen wollten. Man bekommt einfach sehr viel geboten und das mit einem ordentlichen Budget. Den Film kann man sich auch heute noch bedenkenlos ansehen.

 

Der Film war ein Erfolg, Seagals Karriere konnte er aber nicht neu entfachen, danach ging es mit Half Past Dead bergab und anschließend war er abonniert auf den DTV Sektor (nur als Bad Guy in Machete konnte er da mal ausbrechen). Schade, den Exit Wounds zeigte sehr gut was man aus Seagal rausholen konnte in einem, nennen wir es mal kontrollierten Umfeld und nicht von ihm kontrolliert ;)

 

Fazit: Ein absoluter Kracher und der letzte große Solo Erfolg von Mr. Seagal im Kino. Der Film hat sehr unterschiedliche Einflüsse und nicht alles passt perfekt zusammen, aber die Action brummt und Seagal hat einen ganz starken Cast an der Seite! Der macht richtig Laune!

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