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#118 Blood Father

©Splendid
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Unterhaltsamer Film! Hier steht die Vater-Tochter Beziehung im Mittelpunkt. Mel Gibsons beste Rolle seit 15 Jahren!

 

Blood Father (8/10)

 

Story:

John Link (Mel Gibson) versucht, seine zerstörerische kriminelle Vergangenheit hinter sich zu lassen und Ärger aus dem Weg zu gehen. Seine Familie hat ihm schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt, bis eines Tages seine 16-jährige Tochter Lydia (Erin Moriarty) hilfesuchend vor seinem kümmerlichen Wohnwagen steht. Durch ihre Beziehung zu Drogendealer Jonah (Diego Luna) ist sie mit falschen Leuten aneinandergeraten und ist nun auf der Flucht vor einem mexikanischen Drogenkartell, das sie tot sehen will. John kann dies natürlich nicht zulassen und setzt alles daran, seine entfremdete Tochter zu beschützen, koste es was es wolle …

 

Mel Gibson hatte es in den letzten Jahren (zugegeben zum großen Teil aus eigener Schuld) nicht leicht in Hollywood. Vom Hollywood Liebling zum Ausgestoßenem. Große Studios wollten nicht unbedingt mit ihm arbeiten so dass die Projekte nicht wirklich auf ihn gewartet haben.

 

Als Regisseur ist ihm mit Hacksaw Ridge ein großartiges Comeback geglückt (Oscar Nominierung), als Schauspieler will das „große“ Comback irgendwie nicht gelingen. Auftrag Rache und Get the Gringo haben mir gut gefallen (7/10), bei Expendables 3 und Machete Kills hat er die besten Rollen der Produktionen, aber die Filme sind insgesamt doch recht schwach (Der Biber, habe ich noch nicht gesehen).

 

Blood Father ist für mich sein bester Film (als Schauspieler) in den letzten 15 Jahren! Es ist ein relativ kleiner und intimer Film. Der zwar Action beinhaltet, aber nicht zum Selbstzweck sondern um die Geschichte nach vorne zu treiben.

 

Gibson passt auch einfach perfekt in diese Rolle. Mit seinem Alter, dem Bart, dem rauen Look, den Falten. Klar gibt es da auch Parallelen zu seiner Karriere. Hier der Schauspieler der wieder versucht auf die Beine zu kommen und akzeptiert zu werden und auf der anderen Seite der Biker der seine Strafe abgesessen hat und versucht das richtige zu tun. Das beide Alkoholprobleme haben/hatten ist nur eine weitere Parallele. Man nimmt ihm diese Rolle mit Haut und Haaren ab. Die Härte, aber auch die Verletzlichkeit und Sorge darunter.

 

Am stärksten finde ich den Film in den Szenen zwischen Vater und Tochter. Am Anfang hatte ich etwas Sorgen ob das passt, aber mit fortlaufender Zeit wird das immer besser. Die Chemie zwischen Erin Moriarty und Mel Gibson passt einfach. Zwei Szenen sind mir hier in Erinnerung geblieben: Als er ihr die Drogen wegnimmt, sehr intensiv und die Szene wo er ihr anhand seiner Selbstmordversuche erklärt warum das Leben lebenswert ist.

 

Der Film hat eine gewisse Komik ohne es zu übertreiben und ist Gott sei Dank nur äußerst selten kitschig und geht trotzdem ans Herz. Eine seltene, aber hier richtig gute Mischung.

 

William H. Macy hat eine kleine, relativ unspektakuläre Nebenrolle. Michael Parks, der leider verstorben ist, hinterlässt doch deutlich mehr Eindruck. Es ist kein Wunder das Tarantino so begeistert von ihm war. Alleine durch seine Augen und sein leicht verschrobenes Spiel versprüht er eine unterschwellige doch brodelnde Gefahr und Unberechenbarkeit. Man weiß nie so ganz ob er in der einen Sekunde einen umarmt oder um die Ecke bringen will. Wirklich ein beeindruckender Mann, schade dass man keine weiteren Filme mehr mit ihm sehen wird, gefühlt wurde er im Alter immer besser.

 

Regie führte Jean-François Richet, den ich vom Assault Remake kenne und dem Public Enemy Zweiteiler mit Vincent Cassel. Action ist wie bereits erwähnt spärlich gesetzt, wenn dann aber tut sie richtig weh. Es geht um töten oder getötet werden, dass ist weder schön noch macht das Spaß. Dass Ende ist vorhersehbar, hat mich hier aber nicht wirklich gestört.

 

Fazit: Ganz klar steht hier die Beziehung zwischen Vater und Tochter im Mittelpunkt. Diese funktioniert blendend und ist die größte Stärke des Films. Wer einen reinen Actionreißer erwartet, wird enttäuscht, aber eine grandiose Leistung von Mel Gibson! Seine beste Rolle seit 15 Jahren!