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#293 Vorhof zum Paradies

©MIG
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Stallone noch auf der Suche!


Vorhof zum Paradies (6/10)

Story:
Drei italienischstämmige Brüder und ihr Traum vom besseren Leben im "Hell’s Kitchen" des Jahres 1946: Cosmo (Sylvester Stallone), Lenny (Armand Assante) und Victor (Lee Canalito) versuchen nach dem Zeiten Weltkrieg in New York über die Runden zu kommen und finden die vermeintliche Lösung ihrer Probleme im Wrestling. Angestachelt von Cosmo beginnt Lenny den jüngsten Bruder als "Kid Salami" in den Ring zu schicken, wo er schon bald zur lokalen Berühmtheit aufsteigt. Mit dem zunehmenden Erfolg drohen aber auch Konflikte das brüderliche Band für immer zu sprengen...

 

Nach Rocky und vor Rocky II hat Sylvester Stallone eine schwere Phase seiner Karriere durchleben müssen. Der Hype nach Rocky war groß und genauso die Erwartungshaltung. So sehr er nach Rocky als Darsteller und Drehbuchautor gefeiert wurde so sehr wusste er das er liefern musste, auf der anderen Seite hat ihm der riesige Erfolg auch einige Möglichkeiten eröffnet.


So wie hier: Er durfte eins seiner Drehbücher (das er tatsächlich vor Rocky geschrieben hat und da seine Mutter Jackie, Wrestlingshows veranstaltete, hatte er sogar eine richtige Affinität zu dem Thema) selbst als Regisseur verfilmen und noch eine der Hauptrollen übernehmen.

 

Dabei verhebt er sich aber. Er hat als Regisseur noch nicht die Klasse seiner späteren Arbeiten, nicht was das visuelle angeht, eher findet er nicht so richtig einen Ton und auch die Story ist nicht wirklich stringent. Schauspielerisch, naja, er macht das schon gut, aber seine Rolle ist zum Teil echt ein wenig nervig und unsympathisch (das ändert sich im verlauf). Armand Assante (sehr unterschätzter Darsteller) stiehlt ihm da doch schon etwas die Show.

Wer jetzt auch erwartet das Sly hier die Kämpfe übernimmt der wird enttäuscht werden, nein Cosmo kämpft hier nicht, Cosmo ist eher der Lautsprecher und Träumer der Familie. Lee Canalito der hier das kämpfen übernimmt, sieht zwar gut aus aber schauspielerisch ist da wenig vorhanden.

 

Schauspielerisch ist hier trotzdem ein gutes Ensamble vorhanden. Neben Sly und Assante, ist vor allem die bildhübsche Anne Archer zu nennen, aber auch Joe Spinell und Frank McRae machen das gut. Die Wrestlinglegende Terry Funk hätte ich beinah nicht erkannt. Erwähnenswert ist auch das Tom Waits hier seinen ersten Filmauftritt hatte.

 

Auch die Story, das Drehbuch ist bei weitem nicht so stark wie Rocky. Dafür weiß die Musik zu gefallen. Bill Conti ist für die Filmmusik verantwortlich, Frank Stallone (der Bruder von Sly) darf Musik beitragen und auch eine kleine Rolle übernehmen und selbst Sly greift zum Mikro.

Die volle kreative Kontrolle hatte Sly aber wohl nicht, war seine ursprüngliche Version doch viel länger als das fertige Produkt. Hier wurde einiges gekürzt, was man dem Film auch anmerkt. So wirkt manches gehetzt und die Veränderungen bzw. die Entwicklung der Charaktere von Sly und Assante geht viel zu schnell von statten.

 

So wirkt der Film insgesamt nicht so richtig rund, auch etwas übertrieben und man hat das Gefühl so 100% sicher was man hier erreichen wollte war man sich nicht. Dafür bekommt man eine schöne Atmosphäre, gute Musik und einige tolle Darsteller geboten. Der Film ist ein etwas anderer Film in der Karriere von Sly.

 

Nach diesem Flop und dem Flop von F.I.S.T (den ich übrigens eigentlich richtig gut finde) musste Rocky II her, Stallone brauchte einen sicheren Hit und der Rest ist Geschichte. Vielleicht sollten wir also froh sein das es diesen Film hier gab!

Fun Fact:
Wenn Sly jemanden mag dann wird er immer wieder eingesetzt. Bill Conti und sein Bruder sowieso, aber auch Joe Spinell (Rocky I, II, Nachtfalken), Frank McRae (Rocky II, Locked up) oder Terry Funk (Over the Top). Auch Armand Assante durfte so in etwa wieder den Bruder von Sly spielen, nämlich in Judge Dredd.

 

Fazit: Stallone verhebt sich etwas mit diesem Projekt, das er geschrieben, als Regisseur inszeniert und einer der Hauptrollen übernommen hat. Der Film hat trotzdem einen gewissen Charme und eine schöne Ausstattung, auch wenn er zu einem Flop wurde und nicht die erhoffte Wiederholung des Rocky Erfolgs.