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#298 Atomic Eden

Ein Herz für deutsche Action / Krautsploitation

Atomic Eden (ohne Wertung)

Story:
Stoker (Fred Williamson) erhält den Auftrag, eine geheime Fracht aus dem Untergrund von Tschernobyl zu bergen. Für diesen Job rekrutiert er ein Team der besten 8 Söldner aus aller Welt (u.a. Mike Möller). Damit sollte diese Mission eigentlich eine einfache Aufgabe sein, aber als das Team vor Ort ankommt, werden sie von unbekannten Kräften zu Hunderten in Strahlenschutzanzügen angegriffen. 8 gegen 800! Ein Kampf um Leben und Tod entbrennt, welcher das Schicksal der gesamten Menschheit beeinflussen wird. Die geheime Fracht, welche sie zu bergen ausgerückt waren, stellt sich als verschollene Weltuntergangsmaschine der Nazis heraus. Es bleibt ihnen nur eine Möglichkeit: Sie müssen sich den Weg frei kämpfen! Hollywood-Legende Fred Williamson (From Dusk Till Dawn),  Krautsploitation at it's Best!

 

Action aus Deutschland? Kann das funktionieren? 
Dazu muss man sagen das es ja eigentlich kaum Vergleichsmaterial (mal abgesehen von der Serie Alarm für Cobra 11) gibt. Genre in Deutschland ist maximal Nische und überhaupt nicht im Fokus des öffentlichen Auges. Gefühlt funktioniert seit Jahrzehnten als einziges in Deutschland Comedy. Das ist sehr schade, Abwechslung würde hier gut tun.

 

Zurück zur Ausgangsfrage, kann Action in Deutschland funktionieren. Ja es kann.
Man muss natürlich gleich mal anmerken das das Budget des Films auch unter dem von unterdurchschnittlichen B-Action Filmen lag. Dafür ist es erstaunlich was hier aus dem Budget rausgeholt wurde. Dickes erstes Plus: Es gibt Einschusslöcher und keine CGI Treffer, eine Wohltat in der heutigen Zeit.

Ansonsten muss man natürlich Abstriche machen was Sets, Effekte usw. angeht. Deswegen möchte ich den Film auch nicht standardmäßig bewerten, den das wäre einfach nicht fair, die gleichen Kriterien wie an einen 20-30 Millionen budgetierten Film anzulegen. Vielmehr möchte ich einfach aufzeigen was das überraschend gelungene an diesem Film ist.

Da ist zum ersten einmal das Herzblut zu nennen was dem Film und den Beteiligten wirklich anzusehen ist. Die wissen selber das die hier in keinem "großen" Film mitspielen, aber dafür nimmt sich der Film und die Beteiligten Gott sei Dank nicht zu ernst.

Es ist auch klar das die "Story" hier nichts innovatives ist, das hat man alles so schon mal gesehen in verschiedenen Variationen, aber herrje das ist sowas von in Ordnung. Man merkt, das hier auch einige Klassiker als Grundlage hergehalten haben. Assault on Precinct 13 ist hier sicherlich zu nennen. 


Das der Film versucht mit Humor an das Ganze heranzugehen beginnt schon bei der Einführung der Charaktere, wo ich mehrmals echt schmunzeln musste, vor allem Regisseur und Darsteller Nico Sentner hat sich seine Szene mit viel Wohlwollen selbst gebastelt ;)

 

Schauspielerisch ist das auch viel besser als befürchtet. Fred Williamson (From Dusk till Dawn) die Legende, gibt mit Ende 70 echt immer noch eine imposante Erscheinung her und ist sicherlich der bekannteste Name des Cast. Es ist auch kein Wunder das er und Wolfgang Riehm schauspielerisch das stark machen, sie haben einfach die Erfahrung. 

Mike Möller muss man nennen wenn man Action und Deutschland in einem Satz kombinieren möchte. Der hat in vielen größeren Produktionen als Stuntmen mitgearbeitet und hat ein unfassbares Set an Moves. Es ist auch kein Wunder das vor allem die Fights die Konkurrenz mit anderen Produktionen nicht zu scheuen braucht, da diese auch von Mike konzipiert wurden. Wäre er nur 15 cm größer, wäre er schon ein viel größerer (schlechter Wortwitz) Star. Er bringt den stoischen Kämpfer auch überzeugend rüber.

Everett Ray Aponte als Texaner ist so ein wenig die Entdeckung für mich. Der spielt das schon haarscharf am Rande der Karikatur und manchmal total drüber, aber das passt im Kontext zum Film und seine Szenen sind sicherlich nie langweilig.
Positiv überrascht wurde ich von Nico Sentner (dem Regisseur) und Dominik Starck (Drehbuchautor) die beide auch als Darsteller auftreten. Die beiden machen das gut, haben lustige Einführungsszenen und stellen sich danach aber nicht in den Mittelpunkt der Story.


Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Die weiblichen Mitglieder des Teams können für mich dieses Niveau nicht halten sondern fallen ab. 
Lorenzo Lamas ist sicherlich neben Fred der zweitgrößte Name, er hat aber eher ein kurzes Cameo und außerdem habe ich mich auch etwas erschrocken. Da war der Onkel Doktor zu viel im Einsatz.

Actiontechnisch stechen vor allem die Martial Arts Einlagen heraus, aber auch selbst die Schießereien sind so inszeniert das sie sich nicht zu oft wiederholen. Mit netto (ohne Abspann) 75 Minuten wurde die Laufzeit auch optimal gewählt. Man muss dem Film und den Machern eh zu gute halten das die wissen was sie hier abgeliefert haben und nicht versuchen künstlich mehr daraus zu machen.

Das Setting (hier wurde in verlassenen Anlagen in Ostdeutschland gedreht) ist wirklich passend und das zeigt mit das man mit wenig auch viel machen kann.

 

Wer also die Möglichkeit hat, kaufte euch den Film oder wartet bis es irgendwann in der Amaray oder im Stream verfügbar sein wird, aber spread the word, lasst uns Action aus Deutschland unterstützen:
Atomic Eden auf Amazon

 

Das Mediabook ist übrigens auch mit viel Liebe gestaltet, Cover A und B sind auf je 500 Stück limitiert und beinhalten kurze Interviews mit Regisseur Nico Sentner und sogar mit The Hammer!

 

Vielleicht besteht somit auch irgendwann die Möglichkeit eines Sequels?! Fred zeigt sich selbst noch fit genug und würde auch gerne die Regie übernehmen ;) 

 

Fazit: Der Film macht einfach Spaß! Natürlich darf man nicht den Fehler machen den mit Hollywood Produktionen (selbst der 2. Reihe) zu vergleichen, aber man merkt das Herzblut aller Beteiligten und der Film ist überraschend kurzweilig und ansehnlich.