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#376 American Cyborg

©Digidreams
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Der letzte Kinofilm von Cannon!

 

American Cyborg (4/10 oder 9/10 auf der Trashskala)

 

Story:

17 Jahre sind seit dem Nuklearkrieg vergangen, die menschliche Rasse ist fast ausgerottet. Mary, die einzige noch fruchtbare Frau auf dem Planeten, stimmt einer Reagenzglas-Befruchtung zu. Der Embryo ist die einzige Chance, die menschliche Rasse zu retten. Mary hat 36 Stunden Zeit, um im Hafen ein Boot zu erreichen, das sie in ein Land bringt, wo es noch eine Zukunft gibt. Austin, ein Abtrünniger, der in den Tunnels der Stadt überlebt hat, stimmt zu, Mary bei der Flucht zu helfen. Ein todbringender Cyborg, der darauf programmiert ist, Mary und ihren Embryo zu eliminieren, versucht mit den brutalsten Mitteln zu verhindern, daß die beiden den Hafen erreichen...


Dieser Film entstand noch in den letzten Zügen von Cannon, tatsächlich wurde der Film von Globus Pictures produziert also von Yoram Globus ohne Golan und war die letzte Produktion die unter dem Cannon Logo ins Kino gebracht wurde.


Das legendäre Produzenten Duo hatte sich aufgrund der finanziellen Schieflage und anderer Differenzen getrennt. Sie haben beide Ihren Traum gelebt und ihn vielleicht auch überdreht. Als sich Ihre Wege trennten hat jeder seine eigene Firma gegründet und weiter Filme produziert. Golan zum Beispiel Death Wish 5 und Globus z.B. den hier vorliegenden Film.


Zu diesem Zeitpunkt hatten beide jedoch nicht mehr die Budgets zur Vefügung wie zu Ihren besten Zeiten. Das merkt man auch dem hier vorliegenden Film an. Zum einen wurde er vollständig in Tel Aviv gedreht und zum anderen zeigt das ja schon alleine der Hauptdarsteller.


Hatte man zuvor die A-Liga mit Stallone (Cobra, Over the Top) oder andere Genre Ikonen wie Norris (Missing in Action, Delta Force), Van Damme (Bloodsport oder Cyborg), Lundgren (Masters of the Universe) hatte man jetzt nicht mal mehr Dudikoff (American Fighter, Avenging Force) oder Bradley (American Fighter) zur Verfügung sondern muss sich mit Joe Lara vergnügen.


Lara (der ehemalige Tarzan Darsteller) macht das ja nicht einmal so schlecht, aber zum einen ist er zu nett aussehend und er hat auch nicht das Charisma der anderen und auch Actionmäßig ist das ok, aber nicht überragend. 


Zur damaligen Zeit (Anfang der 90er) waren Cyborg Filme extrem populär (was natürlich am überragenden Erfolg der Terminator Filme lag) und es gab eine Flut an Nachahmern und günstigen Produktionen. 


Was hier natürlich ins Auge sticht ist das hier ein kruder Mix aus Terminator und Cyborg zusammengebastelt wurde, heißt das Globus sich an seinem eigenen Portfolio bedient hat. Dabei strotzt die Story vor Ungereimtheiten.


Am Ende gibt es einen wilden Mix der paar irre Ideen um sich schmeißt die nicht immer wirklich Sinn ergeben und nachvollziehbar sind. Warum schickt das übermächtige System nur genau einen Cyborg um die letzte Hoffnung der Menscheit zu begraben. Warum trägt die Mutter ihr Kind in einem komischen Gefäß mit sich herum (die Animation dabei ist echt hart). Warum ist die Gang an Drags unfassbar ungefährlich. Es gibt auch noch viele andere Beispiele.


Der Cyborg wird übrigens nicht vom bekannten Cannon Darsteller John P. Ryan ( 

überragend in Avenging Force, Runaway Train oder Death Wish 4) gespielt sondern von John Saint Ryan. Irgendwie sieht er ihm schon etwas ähnlich nur ist er viel größer und jünger. Aber leider kein so guter Darsteller. Warum ein Cyborg eine Rotzbremse haben muss erschließt sich wohl nur Globus. Nachdem Film weiß man die Leistung von Arnie noch mehr zu schätzen. Dieser hat die Maschine ziemlich perfekt gespielt wo sich hier Ryan doch recht häufig rumgrimmast. 


Ryan benutzt übrigens auch Gullideckel als Waffe! Wenn er dann ne Waffe benutzt trifft er kaum ein Scheunentor außer die Leute stürzen sich in seine Waffe was bis auf unsere beiden Helden alle anderen tatsächlich machen.


Die in Deutschland geborene Nicole Hansen als Mary ist eine süße Erscheinung (erinnert mich sehr an Brittany Murphy) aber schauspielerisch keine Offenbarung, macht das aber ordentlich.


Neben dem offensichtlichen christlichen Bezug durch den Namen Mary als letzte Hoffnung der Menschheit gibt es noch andere offensichtliche Bezüge zur Bibel, mit dem Holzhammer halt.


Den großen Twist im Film riecht man Kilometer gegen den Wind und Lara ist tatsächlich ein Cyborg, der wieso auch immer nicht im Ansatz so stark ist wie der andere böse Cyborg. Die Erklärung das bei ihm was schief gegangen ist ist natürlich hahnebüchend.


Actionmäßig bekommen wir ein paar nette Fights spendiert, was auch daran liegt das Isaac Florentine sich um die Kämpfe gekümmert hat. Ansonsten bekommt man ein paar Ballereien und Explosionen zu sehen. Highlight ist die Meuchelei in der Kannibalen Zentrale,  in der schlitzt und haut sich Lara durch eine Menge an Matschgesichtern.


Der Musikeinsatz ist auch wirklich einzigartig. Joe Lara wird mit Cowboy Theme eingeführt, dazu gibt es andauernd dramatische Musik und lustige hoffnungsvolle Musik, insgesamt auch ein kruder Mix. Passt zum Film.

 

Boaz Davidson der alte Globus und Golan Kumpel und spätere Avi Lerner Spezi und kongenialer Partner durfte hier die Regie übernehmen. Neben Eis am Stiel einer seiner bekannteren Filme als Regisseur und auch wenn er als Produzent deutlich erfolgreicher ist, kann man auf jeden Fall mal festhalten das der Mann aus den bescheidenen Mittel  einen sehr kurzweiligen Film inszeniert hat, bei dem kaum Langeweile aufkommt und der definitiv wild und trashig, aber auch atmosphärisch ist.


Fazit: Der letzte Film der von Cannon ins Kino gebracht wurde, damals schon ohne Golan, zeigt eklatant den Niedergang der legendären Filmschmiede. Für sich selbst gesehen ist das aber ein spaßiger Rip-off von Terminator und der eigenen Cyborg Produktion und hat einen hohen Trash Appeal.