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#697 Du kannst anfangen zu beten

©Koch Media Home Entertainment
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Delon und Bronson haben eine tolle Chemie!

 

Du kannst anfangen zu beten (7/10)

 

Story:

Ein paar böse Überraschungen erwarten die beiden Algerien-Veteranen Barran (Delon) und Propp (Bronson). Die schöne Isabelle überredet die beiden, sich in einen Chemiekonzern einsperren zu lassen, um dort heimlich gestohlene Akten zurück in den Firmensafe zu legen. Die beiden sehr gegensätzlichen Typen arbeiten zunächst sehr widerwillig zusammen und haben unterschiedliche Absichten. Doch diese Differenzen werden zur Nebensache, als die beiden den Tresor öffnen … und plötzlich vor todernsten Problemen stehen.

 

Du kannst anfangen zu beten (Farewell my Friend, der bessere englische Titel) ist ein interessanter französischer Thriller von 1968 der zu einem interessanten Punkt in den Karrieren der beiden Hauptcharaktere entstanden ist.

 

Delon wurde (1967) mit der Eiskalte Engel zum Star, während Bronson zu dem Zeitpunkt noch bekannter Nebendarsteller war (die glorreichen Sieben 1960, das dreckige Dutzend 1967) und mit diesem Film und Spiel mir das Lied vom Tod zu einem Riesenstar in Europa wurde (Durchbruch in Amerika kam ja richtig erst mit Death Wish). 

 

Was mir bei dem Film Spaß macht und recht erfrischend ist, ist das nicht alles immer sofort erzählt und erklärt wird. Manche Dinge werden angedeutet und irritieren einen (ich nenne es mal die Sequenz mit der lebenden Puppe). Manches ergibt sich erst im Zeitverlauf.

Der Film hat einen interessanten ersten Akt (man lernt beide Charaktere etwas besser kennen und ihre dunklen Seiten wenn man so will), einen richtig starken Mittelteil (hier ist der Film mit Abstand am stärksten) und einen ordentlichen, aber etwas zu langen Schlussakt, hier hätte Straffung dem Film gut getan, weil man nur noch auf die Auflösung wartet, diese aber auf sich warten lässt und schlussendlich doch arg konsturiert daherkommt.

Vor allem im Mitteilteil ist der Film richtig stark, fokussiert er sich doch auf das Duell und die schräge sich entwickelnde Freundschaft zwischen diesen beiden sehr zynischen Figuren. Beide Charaktere sind weder schwarz noch weiß, hier werden die Grautöne nicht nur ausgelotet, nein die werden richtig ausgelotet. Die beiden sind waschechte Antihelden.

 

Die beiden haben auf jeden Fall eine gute Chemie und vor allem merkt man ihnen auch an wie sie sich belauern und teilweise miteinander wetteifern. Da gibt es dann auch eine Sequenz ohne Oberteil, wo Bronson seinen muskulösen Körper zeigt, aber auch Delon zeigen darf das er in good shape war.

 

Alles steht und fällt mit den beiden, alle anderen Charaktere sind zweite Reihe. Während der Komissar noch etwas heraussticht sind alle anderen Charaktere austauschbar und vor allem die weiblichen Rollen sind Mittel zum Zweck. Sie haben zwar eine nicht unwichtige Rolle für den Plot und die Auflösung, aber sie sind zu vernachlässigen. Die Darstellung der Damen und der Umgang der Herren mit Ihnen, das spricht halt stark für die 60er. Mit mordernen Sehgewohnheiten werden sich vielleicht ein paar Leute daran stoßen, man sollte es aber als Produkt seiner Zeit sehen.

 

Zusammenfassend ist das ein ungewöhnlicher, lakonischer französischer Thriller (auf jeden Fall für heutige Sehgewohnheiten) der aber seinen ganz eigenen Charme hat und definitiv vom Spiel und dem Wettkampf der beiden Hauptcharaktere lebt. 

Weniger Heist Film als die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zweier interessanter, etwas umherdriftender Männer. Übrigens ist der Score sehr interessant, so interessant das ich noch immer nicht weiß ob ich das ganze wirklich gut oder eher schwierig finde.

 

Fazit: Der französische Thriller von 1968 lebt von seinen zwei Hauptdarstellern die eine starke Chemie haben und sich gegenseitig anstachelten. Der Plot ist interessant und die Atmosphäre dicht, wenn der Film auch etwas konstruiert daherkommt. Ist auf jeden Fall eine Sichtung wert.

Zum Mediabook:
Das ist eine schöne Veröffentlichung von Koch Media. Das Mediabook kann man auf Amazon hier oder im Koch Media Shop bestellen. 

Die Bildqualität kann sich für einen solch alten Film richtig sehen lassen, vergleicht es einfach mit der Qualität des Prime Videos. Neben einem interessanten Interview mit dem Regisseur des Films gibt es noch ein Booklet spendiert. Das ist mir ein wenig zu wirr geschrieben, hat aber einen interessanten Ansatz zur Besprechung gewählt. Wie im Film wird einem nicht sofort klar wo die Reise hingeht. 
Für so einen alten Film ist das eine würdige Veröffentlichung.