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#729 Invasion U.S.A.

©NSM
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Quintessenz von Cannon und Chuck Norris

Invasion U.S.A. (8.5/10)

 

Story:

Als der russische Agent Rostov (Richard Lynch) zusammen mit einer Horde von Söldnern in den Süden der USA einfällt und damit beginnt, das Land mit einer Serie von Terroranschlägen zu überziehen, muss sich die USamerikanische Verteidigung eingestehen, dass sie auf einen derartig plötzlichen Überfall nicht vorbereitet ist.

In höchster Gefahr ist aber schnelles Handeln und hartes Durchgreifen gefordert: ein Fall für den Ex-Agenten und Waffenexperten Matt Hunter (Chuck Norris) - einen knallharten Einzelkämpfer, der kein Erbarmen kennt.Umso weniger, als er sich seinem Erzrivalen Rostov gegenübersieht - denn die beiden haben ohnehin noch eine Rechnung miteinander offen...

 

Chuck Norris wurde gestern unglaubliche 83 Jahre alt oder der Geburtstag hatte Chuck Norris um mal einen der legendären, wenn auch flachen, Chuck Norris Facts auszupacken. Also was gibt es besseres um der Action Legende zu huldigen, als sich einen seiner Klassiker reinzuziehen. Nicht nur einen seiner Klassiker vielleicht den Überklassiker so für Chuck Norris Filme steht wie kein anderer: Invasion U.S.A.

Der Film entstand in einer wegweißenden Phase von Norris Karriere, Missing In Action war ein Riesen Erfolg, der zweite Teil, quasi ein Prequel (obwohl vor dem ersten Teil gedreht, kam es nach dem ersten Teil ins Kino) lieferte auch ordentlich und Cusack-der Schweigsame der außerhalb von Cannon enstand, ist vielleicht sein objektiv beser Film und eher harter Cop Actioner mit Thriller Einflüssen der selbst bei den Kritiken ganz gut ankam.

Norris befand sich somit quasi auf dem Höhepunkt seiner Popularität, spielte Cannon ordentlich Kohle sein und sollte als Actionstar auf dem Niveau von Schwarzenegger und Stallone paltziert werden. Dafür sollte sein nächster Film eigentlich American Ninja werden. Norris wollte aber weiter weg vom Martial Arts Genre bleiben und somit übernahm hier Dudikoff (nicht zum letzten mal, worauf wir später noch einmal eingehen werden).

Von Norris kam die Idee zu Invasion U.S.A. (Ähnlichkeiten zu die rote Flut sind nicht ganz von der Hand zu weißen) die dann von James Bruner aufpoliert wurde. Mit Bruner hatten Norris und Cannon schon bei Missing in Action gute Erfahrung gemacht. Was liegt also näher als noch jemanden von diesem Erfolgsfilm zu verpflichten? Das führte dazu das die Regie von Joseph Zito übernommen wurde, der die Regie bei, na klar, Missing in Action geführt hatte.

Das Budget war dreifach so hoch wie bei Missing in Action, Norris war als Actionstar in aller Munde, die Truppe hinter der Produktion war schon zuvor erfolgreich gewesen, was sollte da also schief gehen?

Je nachdem welchen Blickwinkel man einnimmt kann man sagen, alles oder gar nichts!

Die 80er Jahre scherten sich wenig um political correctness und wer das Ganze als harten, überzeichneten Actioner, der keinen Wert auf eine Story, Nachvollziehbarkeit oder Charakterzeichnung legt, genießen kann, der hat hier seine helle Freude! So stumpf ist das Ganze und so grandios inszeniert.

Da gibt es Panzer, Hubschrauber, ganze Häußerstraßen werden in die Luft gejagt, ein Einkaufszentrum wird episch demoliert und alle paar Minuten kracht es und es wird gestorben. Für Fans handgemachter Action ist das grandios!

Erwartet man jedoch Charakterzeichnung und eine logische Abfolge von Geschehnissen, dann wird man hier nicht glücklich. Charaktere tauchen auf ohne Sinn und Verstand (die Reporterin oder die Cops) und auch Hunter ist komischerweise den Terroristen immer einen Schritt voraus (wie von Geisterhand) um sie dann (zugegeben auf herrliche Weise) auszuschalten.

CIA, FBI, NSA, die Cops, die Nationalgarda, keiner kann die Terroristen aufhalten, keiner? Doch Chuck Norris als dauergrimmiger Held ist die einzige Chance der USA. Wie er schon eingeführt wird in den Sümpfen Floridas zähmt und verkauft er Alligatoren. Die 80er waren einfach geil!

Vor allem für Norris bedeutete die Rolle als Mime ein Rückschritt. Ich liebe diesen Film, es ist aber nachvollziehbar warum sich Nicht Fans darüber lustig gemacht haben oder den Film sogar klar ablehnten, der Film hat ein sehr einfaches Weltbild. Die Terroristen sind wirklich der schlimmste Abschaum und scheuen vor nix zurück und Norris ist der grandiose Einzelkämpfer der keinem traut, härter ist als Kruppstahl und gleichzeitig noch coole One Liner abfeuert wie:

  • it's time to die 
  • und das legendäre:
    If you come back in, I'll hit you with so many rights you'll be begging for a left.

Was ein grandioser Satz, ich liebe diesen Spruch, ich hab den sogar als Tasse!

 

Norris sieht in seiner Jeanskluft und den beiden Uzis einfach ikonisch aus, so drüber, Leute das sind die 80er. Natürlich mäht er mit seinen beiden Uzis Heerscharen von Terroristen nieder ohne nur ansatzweise getroffen zu werden. 

Das ist Popcorn Action, die man nicht ernst nehmen kann, da der Film aber bitterernst rüber kommt und wenig Selbstironie besitzt, kann ich verstehen das ihm mancher sauer aufstößt, für mich ist das eine einzige wilde Party, in der Chuck als lebensechte Comicfigur mit one linern bewaffnet Terroristen niedermetzelt das es eine Freude ist.

Im Casting des Bad Guys hat man auch alles richtig gemacht, Richard Lynch der Bad Guy aus unzähligen B-C Movies ist schon alleine von seinem Gesicht und den brandnarben etwas unheimlich. Er ist auch mit Abstand der beste Darsteller, sein manischer Terrorist Rostov der selbst in Albträumen von Chuck Norris heimgesucht wird ist ein Klasse Bad Guy. Sein Abgang ist auch spektakulär (Obwohl seine Terroristen wirklich auf den ältesten Trick der Welt reinfallen, das Ende passt zum Film, stumpf ist trumpf)

Wo wir schon bei Bad Guys sind, auch Billy Drago (darf in Delta Force 2 den Hauptantagonisten spielen) hat einen Auftritt und wird dabei von Lynch aus dem Weg geräumt. Er erschießt die Leute vor der Tür, schießt Drago mehrfach in die Eier und schmeißt die Nutte (der er das Röhrchen zum Koksen quasi ins Gehirn haut) aus dem Fenster, was für ein Auftritt von Lynch, der übrigens eingeführt wird in dem er ein Boot voller Flüchtlinge abknallt. Was eine Einführung.

Hat diese irgendwas mit dem Rest des Filmes am Hut? Nicht wirklich, aber der Zweck heiligt die Mittel. Auch die Szene mit dem Bus der Kinder, die mit einer Bombe am Bus ausgeschaltet werden sollen. Da fährt Hunter halt hin nimmt die Bombe an sich (mit 20sec) und schmeißt sie wieder in das Auto der Terroristen (die eigentlich weit weg waren), das macht alles wenig Sinn, ist aber herrlich bescheuert.
Auch das ein Raktenwerfer anscheinend mehrfach, ohne nachladen, benutzt werden kann, versetzte mich in erstauen.

Der Film wirkt so einfach sehr episodenhaft, eine Aneinanderreihung von grandiosen Actionsequenzen die einen mit der Zunge schnalzen lassen. Selbstjustiz als American Way of Life quasi mit Norris als Werbefigur.

 

Chuck Norris wollte für die Rolle der Reporterin, die irgendwie eine Backstory mit Matt Hunter hat, die immer wieder auftaucht, aber irgendwie belanglos ist (viele ihrer Szenen sind wohl dem Schnitt zum Opfer gefallen) übrigens Whoopie Goldberg haben. Das hört sich inzwischen vielleicht schräg an, aber damals stand sie am Anfang ihrer Karriere, das vor die Farbe Lila! Von den Produzenten und dem Regisseur wurde das abgelehnt, was Norris auch Jahre später noch sauer aufstieß.

Ein Sequel wurde in Auftrag gegeben doch wieder hatte Chuck Norris, wie bereits bei American Ninja einen anderen Plan und somit ging das Sequel durch mehrere Variationen und am Ende übernahm wieder Dudikoff den Slot von Norris. Night Hunter oder Avenging Force wurde zu einem deutlich anderen Film und trotzdem Dudikoff trägt den Namen Matt Hunter.


Der Film war für Jahrzehnte der zweitbeste Home Video Film von MGM, nur von Winde verweht übertroffen. Wenn das mal nicht ein Statement ist! Der Film ist ein guilty pleasure, Kopf ausschalten, duchpusten lassen, die Einfachheit von Gut gegen Böse und vor allem die grandiosen Action Sequenzen genießen und Spaß haben. Stumpf ist trumpf!

 

Lustig ist übrigens das in der deutschen Übersetzung aus dem Terroristen Mikhael Rostov, Michael Hames wurde, mitte der 80er wollte sich der Deutsche wohl nicht böse mit den Russen stellen.


Fazit: Diesen Film darf man keine Sekunde ernst nehmen, aber umso mehr genießen. Ein wahnwitziger Norris und Cannon Klassiker, sowas von Over the Top und genau deshalb so grandios. Wenn Norris die Terroristen auseinandernimmt bleibt kein Auge trocken! Eine richtige Materialschlacht!


Der Look von Norris ist ikonisch in diesem Film, kein Wunder das es massenweise Fan Utensilien zu dem Fan gibt und ich liebe meine Tasse mit dem ikonischen Spruch und auch die Figuren :D