· 

#751 SLY

©Netflix
©Netflix

Seine Geschichte ist einfach wahnsinnig inspirierend!

 

SLY (7.5/10)

 

Story:
In der Dokumentation wird zu Beginn Stallones schwierige Kindheit thematisiert und wie Filme ihm in dieser Zeit als eine Art Flucht dienten. Sein Werdegang vom einstigen "Underdog" bis hin zur gefeierten Hollywood-Legende sind ebenfalls wichtige Meilensteine und erzählen seine bisher persönlichste Geschichte.

 

Die alten Kino Giganten Sly und Arnie sind inzwischen im Streaming angekommen. Nach Arnolds Dokumentation (die in 3 Folgen bei Netflix erschien und die wir hier bald besprechen) ist jetzt Sly mit seiner Doku nachgezogen, die am 3.11.23 bei Netflix erschien.

Auch ansonsten scheint den beiden Streaming nicht mehr fern zu sein, drehte Arnie doch die FUBAR Serie für Netflix und Slys Film Samaritan erschien zuerst exklusiv auf Amazon Prime sowie Tulsa King auf Paramount +.

 

Das ist so ein wenig auch Sinnbild für ihre Karriere, die beiden stehen irgendwie nicht still, kehren auch gerne mal zu den Rollen zurück mit denen sie die größten Erfolge hatten (Arnie mit Terminator, Sly noch mehr mit Rambo und Rocky), aber sie hören nie auf zu arbeiten und versuchen, nein sie müssen sich quasi immer wieder neu beweisen.

 

Sly wirkt teilweise wie ein getriebener, er schreibt, er produziert, führt Regie und hält sich fit. Er sagt es selbst in der Doku das die Wertschätzung des Publikums einen süchtig machen kann bzw. eine Lücke in seinem Leben erfüllt hat, aber dazu später mehr.

Die Doku geht zu Beginn auf seine Kindheit in New York (Hells Kitchen) ein und die schwierigen Verhältnisse in die er geboren wurde (zerrüttetes Elternhaus, später trennen sich die Eltern).

Weiterhin werden natürlich ausführlich seine großen Erfolge und größten Rollen beleuchtet: verschiedne Rocky Teile , Rambo First Blood oder Cop Land. Aber auch über Niederlagen wie FIST oder Paradise Alley (was man als seine suchende Phase bezeichnen könnte) wird gesprochen. 

Man bekommt das Gefühl nicht los das Sly aufgrund seiner Probleme zu Beginn seiner Karriere, die richtige Rolle für sich zu finden, immer wieder um Kontrolle am Set gekämpft hat. Er ist bekannt dafür an Drehbüchern mitzuschreiben oder bestehende immer wieder umzuschreiben und auch gerne indirekt Regie zu führen. Er braucht die Kontrolle am Set um sich wohl zu fühlen und so richtig geht er auf wenn er das Drehbuch selbst geschrieben hat.

Der Erfolg gibt ihm doch auch zum Großteil recht! Sly hatte immer ein unglaubliches Gespür dafür wie die Zuschauer ihn sehen wollen. Ja, manchmal griff er auch daneben, aber über so viele Jahrzehnte immer noch eine Ikone und Kassenschlager zu sein ist mehr als beeindruckend!

Eine Parallele zu Arnie ist übrigens auch das schwierige Verhältnis das beide zu ihrem autoritärem und (man hört es deutlich zwischen den Zeilen) gewalttätigem Vater hatten. Es hat mich überrascht, aber dieses Thema zieht sich wirklich durch die ganze Dokumentation.

Es ist zwar ein Klischee, aber einige der erfolgreichsten Leute kommen aus schwierigen Verhältnissen und haben sich hoch gekämpft. Widerständen machen einen stärker.

Das Bild das die Doku und auch Sly zeichnet ist ein, nett formuliert, wirklich schwieriges Vater-Sohn Verhältnis. Der Vater wird (auch von Frank) als dauerhaft eifersüchtig auf den eigenen Sohn dargestellt. Auch war er sehr hart gegenüber seinem Sohn, sehr hart. 

Man merkt das das auch immer noch, nach so vielen Jahren an Sly nagt, gleichzeitig war das ein riesiger Katalysator für seinen Antrieb, seinem Streben nach Erfolg und hat ihn in gewisserweise auch hart gemacht.

 

Man hat durchaus das Gefühl das Sly warten wollte (mit seiner ersten richtigen Doku über ihn selbst) bis seine Mutter nicht mehr auf der Erde weilte, Jackie Stallone starb mit 98 Jahren im Jahre 2020. Man merkt einfach wie ihn seine Kindheit bis jetzt ins hohe Alter prägte und prägt. Vor allem natürlich das Verhältnis zu seinem Vater (man hat das Gefühl mit seiner Mutter war es eher ein Nicht Verhältnis, spricht er doch kaum über Sie).


Es steht und fällt hier natürlich alles mit Sly als Gesprächspartner und er zeigt sich durchaus offen, das einzige was immer wieder angedeutet aber nicht richtig offen gelegt wird ist seine schwierige Beziehung zu Sage. Sein Sohn starb mit 36 und man merkt Sly an das er andeutet nicht alles richtig gemacht zu haben als Vater, vor allem viel zu wenig da gewesen zu sein. Im Alter kommt die Weisheit und Sly scheint sehr viel über sein Leben zu reflektieren.

Vieles in der Doku ist unausgesprochen, bzw. muss man zwischen den Zeilen lesen. Es wäre zwar schön gewesen wenn sich Sly noch mehr geöffnet hätte, aber auch so erfährt man viel von ihm.

 

Es bleibt dabei, die Geschichte von Sylvester Stallone ist unglaublich inspirierend. Wie er auf sich gesetzt hat, als keiner etwas von ihm wissen wollte, wie er immer wieder an sich geglaubt und sich durchgebissen hat, wie er immer wieder aufgestanden ist. da ähnelt er Rocky und die beiden Persona sind eh für immer miteinander verschmolzen.

Mit John Herzfeld (Regisseur) und Henry Winkler kommen Leute zu Wort die Sly vor seiner großen Karriere bereits kannten. Arnie darf natürlich nicht fehlen, ihre Rivalität wird aber nur am Rande beleuchtet. Frank als Bruder darf natürlich nicht fehlen und es war toll Talia Shire wieder zu sehen. Am Ende sind das, wie Quentin Tarantino, alles nur Randfiguren die das ganze etwas auflockern, tatsächlich hätte es diese Stimmen nicht gebraucht, die Doku hätte auch so funktioniert, auch wenn Quentins Einschätzungen doch recht fundiert und überzeugend daherkamen.

Er hat recht, die besten Darbietungen bekommt man von Sly wenn er seine persönlichen Erfahrungen in die Drehbücher und seine Filme hat einfließen lassen. Dann bekommt man einen wahrhaftigen Sly der es schafft einen in seinen Bann zu ziehen (Rocky 1 oder Rocky 6).

 

Die Sly Doku ist mir persönlich aber zu kurz geraten, ich hätte mir sehr gut diesen 3 Folgen Aufbau wie bei Arnold vorstellen können: 1. Jugend bis Rocky 2. Ruhm und Niederlagen 3.Comeback und späten Jahre. Slys Karriere bietet mehr als genug dafür. Die ca. 90 minuten sind somit extrem kurzweilig geraten, aber da war schon deutlich mehr drin.

Die Beziehung zu Bruder und Mutter wird nur angeschnitten, da kratzt man nur an der Oberfläche, dazu gibt es ikonische Filme die nur am Rande besprochen werden, auch seine künstlerischen Ausflüge als Maler hätten mich noch mehr interessiert, das ist aber gleichzeitig meckern auf sehr hohem Niveau.

Trotzdem wird ein rundes Bild von Sly gezeichnet und man glaubt ihn nach 90 minuten besser zu verstehen als zuvor und kann man mehr von einer Doku erwarten?

 

Fazit: Eine unglaublich inspirierende Lebensgeschichte und ein interessanter Blick in die Gedanken von Sly. Hätte durchaus länger sein können (eher müssen) und auch hier und da kritischer, tiefer gehend. Trotzdem, absolut sehenswert!