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#760 The Iron Claw

©LEONINE
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Für Wrestling Fans ein Muss, aber nicht nur für die!

 

The Iron Claw (7/10)

 

Story:

Die wahre Geschichte der unzertrennlichen Von Erich-Brüder, die in den frühen 1980er Jahren in der hart umkämpften Welt des professionellen Wrestlings Geschichte schreiben. Durch Tragödien und Triumphe, im Schatten ihres herrschsüchtigen Vaters und Trainers, streben die Brüder nach Unsterblichkeit auf der größten Bühne des Sports, die größer ist als das Leben.

 

In meinem Leben hatte ich immer wieder Phasen in denen ich großer Wrestling Fan war. Anfang der 90er die WWF, Mitte der 90er die WCW mit der NWO und vor allem auch Anfang bis Mitte der 2000er schaute ich viel Wrestling und beschäftigte mich regelmäßig damit. Ich schaue Wrestling zwar immer noch gerne, aber sehr unregelmäßig und sporadisch.

Warum fasziniert mich Wrestling so? Es ist nicht einfach zu erklären. Wrestling ist Show, Choreographie, beeindruckende körperliche Leistungen und am Ende klassisches Storytelling. Ich hatte und habe immer einen Platz dafür in meinem Herzen. In den Phasen in denen ich mich intensiv mit dem Wrestling auseinandersetze habe ich mich auch versucht in die Geschichte des Wrestlings reinzulesen.

Das bedeutete auch vieles darüber zu lernen was vor (oder auch parallel zu) der national Expansion der damaligen WWF (jetzt WWE) mit Hulk Hogan (unter Vince McMahon) passierte. Die Geschichte von WCCW und der Von Erich Familie ist eine der interessantesten, wenn auch gleichzeitig tragischsten Episoden der Wrestling Geschichte.

 
Der Film nimmt sich ein paar künstlerischen Freiheiten: am prominentesten Wohl das ein Bruder und dessen tragischer Tod komplett gestrichen wurde. Chris von Erich taucht gar nicht im Film auf, sein Charakter verschmilzt im Film etwas mit der von Mike. Es ist Wahnsinn, das von den ganzen Brüdern tatsächlich nur einer überlebte: Kevin. Aus meiner Sicht macht das Weglassen von Chris den Film werder besser noch schlechter, da es genug Drama gibt, aber es hätte den Film sicherlich noch etwas düsterer gemacht.

Auch wurden aus chronologischer Sicht nicht alle Ereignisse, in der korrekten Reihenfolge, wiedergegeben (wann startete Mike mit dem Wrestling, wann war der Motorrad Unfall usw.), damit muss man aber bei einem Film wohl leben, das hier ist keine Dokumentation sondern eine filmische Umsetzung. Hier werden Dinge für die dramatische Konsequenz etwas verkürzt oder zugespitzt. Jemand der sich nicht mit der Thematik beschäftigt, dem wird das nicht auffallen. Jemand der die Chronologie kennt wird sich fragen ob die Geschichte geradlinig erzählt, nicht genug Drama hergegeben hätte.

 

Was das schöne an dem Film ist, er funktioniert auch für Nicht-Wrestling Fans. Wrestling ist hier nur der Hintergrund, die Leinwand, es ist nicht der Kern der Geschichte. Es ist die Geschichte einer Familie, von Brüdern, vor dem Hintergrund des Wrestlings, nicht mit Wrestling als Zentrum. Trotzdem gibt es für Wrestling Fans natürlich viel spannendes, aber das Ganze kann man auch als reines, spannendes Drama erleben.

 

Kevin von Erich ist der einzig überlebende Bruder, deshalb machte die Entscheidung auch Sinn, ihn in den  Mittelpunkt des Films zu stellen. Zac Efron spielt Kevin von Erich und da bin ich zwiegespalten. Efron hat mich in den letzten Jahren (z.B. als Ted Bundy) schauspielerisch doch immer mehr überzeugt und er spielt das auch ganz ordentlich, aber ich habe bei den Von Erichs halt die realen Personen im Kopf und vom Körperbau wirkt er viel mehr wie Kerry. Und der Darsteller von Kerry (Jeremy Allen White) wirkt mir eher wie Kevin.

Das liegt aber an mir, umso weniger man die realen Charaktere im Kopf hat umso besser. Mich hat das immer mal wieder etwas rausgebracht. Der Darsteller von Kerry (Jeremy Allen White) spielt das auch gut. Der Beste der Brüder, vom Casting gesehen her, ist sicherlich David (Harris Dickinson).

 

Trotzdem schafft es Efron ganz ordentlich, zusammen mit Lily James als seine Filmfrau, den emotionalen Anker des Films zu geben der im Mittelpunkt des ganzen Wahnsinns steht. In seinem Gesicht ist der ganze Schmerz gut abzulesen und die zunehmende Verzweiflung während seine Familie immer mehr auseinanderbricht. Am Ende wollen alle Brüder eigentlich nur das gleiche, den Respekt ihres Vaters: Fritz Von Erich.

Holt McCallany als Fritz Von Erich ist nicht nur perfekt gecastet er ist auch der heimliche MVP des Films. Seine Arthousemäßige Sequenz zu Beginn des Films (in Schwarz-Weiß) hat schon beinahe etwas horromäßiges und ist für mich, eine der besten Szenen des ganzen Films. Er spielt den Patriarchen mit harter Hand, der Schwäche nicht verzeiht und unerbittlich seinen Weg geht, auch wenn es seine Familie in Mitleidenschaft zieht.

Die Brüder schweißt das zusammen, das sind mit die besten Szenen im Film, wenn die Brüder zusammen sind. Schlussendlich ist es aber die Härte ihres Vaters, der Druck, der sie trotzdem bricht und erdrückt. Maura Tierney als Mutter spielt reduziert, aber man spürt förmlich wie es unter der Oberfläche brodelt bzw. wie es sie innerlich zerreißt. Eine tolle Leistung, das kann so nuanciert nicht jeder darstellen.

Der Film endet sogar auf einer hoffnungvollen Note, auch wenn man sich das bei dem Drama um die Familie kaum vorstellen kann.
Die Szene im After-Life hätte ich aber nicht gebraucht, ich finde die passt nicht zum Film und sticht unnötigerweise heraus.


Die Wrestling Sequenzen sehen wirklich gut aus, die Darsteller trainierten wohl sehr intensiv um die Sequenzen realistisch darzustellen. Choreographiert wurden die Sequenzen von Chavo Guerrero Jr. (der auch eine kleine Rolle als der legendäre Sheik spielen durfte) aus der legendären Guerrero Familie (Neffe des leider viel zu früh verstorbenen Eddie Guerrero). Das sind einige der besten Wrestling Sequenzen die man je in einem Film sehen konnte.

 

Wo der Film etwas Probleme hat ist wirklich zu transportieren was für Popstars die Von Erich Brüder in Texas waren, das waren Megastars, das kommt nicht wirklich rüber was aber auch wahrscheinlich am überschaubaren Budget lag. Was ich mir auch gewünscht hätte (als Wrestling Fan) wäre etwas mehr Fokus auf den Niedergang von WCCW gewesen, das wird alles nur gestreift (MJF als Lance von Erich, kann man verpassen, wenn man einmal nicht richtig hinschaut). Das hätte zwar die Laufzeit gesprengt, aber hätte mich persönlich sehr interessiert.

 

Negatives Highlight ist für mich die Darstellung von Ric Flair. Jeder der auch nur ein wenig Ric Flair in den 80ern oder selbst 90ern gesehen hat findet diese Darstellung peinlich. Einfach richig schlecht gecastet. Da hätte man von einem Film, der von einem Wrestlingfan gedreht wurde (Sean Durkin), einfach mehr erwartet. Solche, negativen Highlights sind Gott sei Dank die Ausnahme! Die legendären Freebirds sind zum Beispiel sehr gut gecastet.

Neben The Wrestler (mit Mickey Rourke) einer der besten "Wrestling" Filme da draußen, was daran liegt das das Wrestling ein wichtiger Bestandteil des Films ist, aber nicht das Zentrum, sondern die Charaktere und das Drama sind im Mittelpunkt. Ein tragisch schöner Film.

 

Fazit: Ein Drama was auch ohne den Wrestlinghintergrund funktionieren würde. Eine starke, wahre Geschichte (mit ein paar künstlerischen Freiheiten verfilmt) mit guten schauspielerischen Darbietungen und einer starken Atmosphäre. Für Wrestlingfans ein Muss, die Geschichte der Von-Erich Familie ist tragisch wie legendär zugleich.

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