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#749 Wanted Man

©Eurovideo
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Dolph zeigt was noch in ihm steckt.

 

Wanted Man (5/10)

 

Story:

Mike Johansen (Dolph Lundgren) ist ein eigensinniger und in die Jahre gekommener Polizist, dessen veraltete Methoden seiner Abteilung in letzter Zeit jede Menge Ärger eingebracht haben. Um seinen Job und das Image der Behörde zu retten, wird er nach Mexiko geschickt, um die einzige Augenzeugin an dem Mord zweier DEA-Agenten in die Staaten zu schleusen. Dort angekommen, stellt er fest, dass er nicht nur seine verstaubten Ansichten in Frage stellen muss, sondern dass es plötzlich auch jede Menge Killer auf ihn und seine Zeugin abgesehen haben. Wem kann er jetzt noch trauen?

 

Dolph Lundgren ist inzwischen 66 Jahre alt! Verdammt, unsere Helden werden alt. Gut für ihn jedoch das er sich als Regisseur langsam ein zweites Standbein aufgebaut hat. Wanted Man ist inzwischen bereits sein siebter Film als Regisseur nach: The Defender (2004) / The Mechanik (2005) übrigens ein knallharter, geiler B-Actioner / Diamond Dogs (2007) / Missionary Man (2007) / Command Performance (2009) mit Dolph als wildem Drummer / Icarus (2010) einer der besseren Einträge aus dieser Phase und Castle Falls (2021) mit Scott Adkins.

 

Man sieht schon an den Jahreszahlen, das er da eine große Pause dazwischen hatte. Leider muss ich sagen den in diesen Phasen sind (bis auf die Expa Reihe oder Aquaman oder Creed II, also die großen Blockbuster) diese Filme mit seine Besten und Interessantesten. Er weiß sich einfach gut in Szene zu setzen.

 

Dolph zeigt auch bei Wanted Man mal wieder welches Potenzial er als Regisseur besitzt. Seine Zeit als Leading Man geht definitiv dem Ende zu, das sieht man auch hier dem Film deutlich an. Nicht einmal das er 66 ist, auch Sly oder Clint haben in diesem Alter noch einiges abgeliefert, aber alleine sein Gang tut beim zusehen weh.

Direkt nach Wanted Man ließ er sich den Knöchel operieren, Gott sei Dank kann man da nur sagen weil gesund sieht das nicht aus und nimmt auch etwas von seiner Aura weg. Wie soll man jemanden als Actionhelden ernst nehmen, der kaum laufen kann?!

Aber Dolph macht aus der Not eine Tugend und versucht sein Alter nicht zu kaschieren sondern er hält auch bei seinen Falten und Problemen richtig drauf, da ist er wenig eitel und das, tut dem Film gut. Nicht nur das, er zeigt hier (aber eigentlich in allen seinen Filmen) sein gutes Auge für Kameraeinstellungen und generelle Inszenierung. 


Dolph lässt diesen kleinen Actionthriller besser aussehen als er eigentlich dürfte, den viel Budget war nicht vorhanden. Shooutouts sind z.B. auf ein paar Leute beschränkt, auch wenn sie durchaus blutig sind. Die Action ist auch auf ein paar Shootouts begrenzt (Nahkämpfe waren bei seiner derzeitigen körperlichen Verfassung nur bedingt drin), die durchaus annehmbar sind, aber die großen Actionensequenzen bekommt man hier nicht geboten.

Im Mittelpunkt steht eher Dolph und seine persönliche Entwicklung im Film. Gleich vorweg, das ist alles sichtlich nicht auf dem Niveau eines Gran Turinos oder so, da wird überall an der Oberfläche gekratzt, alles noch ein wenig mit angezogener Handbremse, aber für einen B-Actionthriller doch durchaus ansprechend umgesetzt und Dolph spielt das gut, sympathisch und ordentlich.

Mit etwas mehr Feinschliff am Drehbuch und Zeit am Set hätte man da sicherlich noch mehr in die Tiefe gehen können, aber für einen Film mit diesem Budget und diesen Drehtagen ist das voll in Ordnung. Man muss das Ganze ja auch mal in Perspektive setzen.

 

Das Drehbuch, übrigens von Michael Worth verfasst, hätte wie gesagt noch etwas Schliff vertragen. Ja es ist übrigens der Michael Worth, von Karate Tiger 7 und 8 Fame. Schade das dieser nicht noch einen kleinen Auftritt spendiert bekommen hat. Kleines Cameo für Action Gucker wie mich und ihr.

Dafür bekommt man Vielfilmer, ehemaligen Star und bereits Lundgren Gegner, Michael Pare (Direct Contact oder The Good, The Bad and the Dead) geboten und tatsächlich Kelsey Grammer a.k.a Frasier. Was ihn hierher verschlagen hat kann man nur vermuten. Vielleicht hat er ja mit Dolph eine Freundschaft bei den Dreharbeiten zu Expendables 3 geknüpft oder ihm war einfach langweilig. Auf jeden Fall ist er eine Überraschung und wertet den Film durch seine Teilnahme direkt auf.

Die anderen Darsteller machen ihre Sache ganz ok, die weibliche Darstellerin ist annehmbar, kann nervig rüberkommen, für mich ist das alles noch im Rahmen und passend zu ihrer Rolle im Film.

 

Der Twist zum Ende des Films ist natürlich keine Überraschung sondern sehr vorhersehbar. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, eigentlich konsequent umgesetzt. Mit mehr Budget, etwas mehr Zeit und einem komplett fitten Dolph wäre hier sogar noch mehr möglich gewesen.

Am Ende bleibt einem nur zu Hoffen das Dolph weiter auf die Karte Regisseur setzt und auch mal etwas mehr Budget in die Hand bekommt. Das wäre wirklich mal sehr interessant zu sehen was er daraus machen würde, er hat definitiv ein Händchen dafür.

 

Fazit: Dolph deutet erneut sein Potenzial als Regisseur an. Hier liefert er einen kleinen, aber ordentlichen Actionthriller ab der sich seiner Limitierungen bewusst ist. Für Fans von Dolph ein Muss!