#756 Street Fighter

©Sony Pictures Entertainment
©Sony Pictures Entertainment

Was liebe ich diesen Film!

 

Street Fighter (9/10)

 

Story:

Die Welt am Abgrund: der diabolische Diktator Bison (Raul Julia) terrorisiert mit seiner gewalttätigen Streitmacht das Land. Über 60 UN Mitarbeiter hat er bereits als Geiseln, verlangt 20 Milliarden Dollar Lösegeld, der gefährliche Konflikt steht an der Schwelle eines Weltkrieges. Da tritt der Oberbefehlshaber der Alliierten Truppen, Colonel Guile (Jean-Claude Van Dame )mit seiner Elitekämpferin Cammy (Kylie Minogue) zu einer geheimen Rettungsaktion an. Guile schleust zwei kleine Waffenschieber, die er bei einer Razzia erwischt hat, als Spitzel in die Gang des Waffenhändlers Sagat (Wes Studi) ein. Doch als sich in letzter Minute die Fernsehreporterin Chun-Li Zang (Ming-Na Wen) einmischt, misslingt der scheinbar perfekte Plan...

 

Diesen Film kann und möchte ich überhaupt nicht objektiv bewerten. Ich habe den damals im Kino gesehen, eigentlich viel zu jung, aber ich hab mich schon damals äußerst erfolgreich, auch weil ich älter aussah, in viele Filme geschmuggelt dessen FSK eigentlich höher waren.

Seitdem liebe ich diesen Film und ja ich weiß über seine Schwächen wie, dass der Film relativ wenig mit dem Spiel zu tun hatte, das er teilweise trashig daherkommt oder inhaltlich viele Lücken aufweist. Das nicht jede Besetzung passt oder das Van Damme wohl am Set total durchgekokst war, aber das ist mir alles schrecklich egal. Wenn man einen Film in seiner Jugend ins Herz schließt, dann hält das ein Leben lang.

 

Solche wilden, absolut überdrehten, wenig inhaltlich sinnvollen, knallbunten Actionspektakel gibt es doch gar nicht mehr, sowas konnte nur in den 90ern produziert werden! 

Der Film hatte auch generell einiges was für ihn sprach, eine unglaublich erfolgreiche Videospiel Reihe als Grundlage, mit Van Damme einen vermarktbaren Star (damals noch auf dem aufsteigenden Ast durch Universal Soldier und Harte Ziele, auch Timecop wurde im gleichen Jahr veröffentlicht) und mit Steven E. de Souza eine interessante Entscheidung auf dem Regiestuhl.

Steven E. de Souza wurde als Drehbuchautor für Filme wie Stirb Langsam, Stirb Langsam 2, Phantom Kommando, Running Man oder Nur 48 Stunden bekannt. Wenn man sich die Erfolge der Filme anschaut, dann wird relativ schnell klar warum er die Chance als Regisseur bekam.

Nicht nur das, so war er ein Fan des Spiels, roch seine Chance und da der Film zum Großteil von Capcom selbst  finanziert wurde (Capcom war die Spieleschmiede für Street Fighter) wandte er sich direkt an die Chefs von Capcom. Als Konsequenz musst er sich aber auch vielen Wünschen von Capcom beugen, die die Kontrolle über das Projekt behielten und musste sich auch einem straffen Produktionsplan mit bereits festgelegtem Kinostart unterwerfen. Dem allen stimmte de Souza zu.

 

Somit durfte er sich bei Street Fighter nicht nur als Drehbuchautor sondern auch als Regisseur versuchen. Nach Street Fighter kam nicht mehr viel von de Souza, der mir der Doppelaufgabe doch merklich überfordert war. Ihm entglitt der Drehplan, so lies er einfach Seiten seines Drehbuchs weg, als die Zeit knapp wurde. Nicht alles lag in der Macht des Regisseurs, aber dazu später mehr. De Souza wohlte keinen reinen Martial Arts Film machen, was sich bei einem Film mit dem Namen Street Fighter doch anbieten würde, nein er wollte seinen Film als Mischung aus Star Wars, James Bond und einem Kriegsfilm anlegen, was einiges vom fertigen Produkt erklärt.

Das sein Star sich wohl wie eine Diva benahm, häufig zu spät am Set erschien und nicht wirklich bereit zum drehen war, half dem Ganzen sicherlich nicht wirklich. De Souza und Van Damme bestätigten beide das Van Damme bei den Dreharbeiten wohl ständig vollgekokst war (10.000 pro Woche für Koks).

Das hört sich vielleicht schräg an, aber ich finde das hat seiner Performance geholfen. Sie wirkt energetisch, teilweise drüber, aber das passt doch perfekt zu diesem Film, bei dem Van Damme sicherlich nicht das größte Problem darstellte, auch wenn sein super amerikanischer Guile schon geil daherkommt. Für mich agiert er hier maximal charistmatisch. Nebenbei hatte er auch eine Affäre mit Kylie Minoque am Set, was ihm gegönnt sei.

 

Ich hatte eine SNES und auch Street Fighter II (mein Gott bin ich alt), aber ich war eher ein Van Damme Fan als das es mich gestört hätte das Charaktere verändert wurden oder die Zuordnung von Gut und Böse nicht zum Spiel passt. Der gute Herr de Souza hat hier alles in den Mixer geworfen und ordentlich durchgewurschtelt. Am Ende musste die Story sich irgendwie um Van Damme und Raul Julia drehen, die beiden größten Stars des Casts, der Rest musste halt irgendwie dazu passen.

 

Ich glaube der Grund warum ich den Film damals aber auch heute immer noch liebe liegt tatsächlich daran wie de Souza ihn angelegt hat. So wie sich mein 9-10 jähriges Ich einen perfekten Film vorgestellt hat. Einen großmäuligen, aber aufrechten Helden. Der Martial Arts beherrscht und ein schickes Kampfboot besitzt (wo kommt das eigentlich her, James Bond Moonraker lässt grüßen). Dazu einen größenwahnsinnigen Bad Guy, hübsche Girls, tolle Kämpfe und ein Happy End, das alles zum Gemüt eines Kindes passend. I still love it!

Neben Van Damme, war Raul Julia der größte Star des Films. Raul Julia war über Jahrzehnte ein gefeierter Bühnen- und Kinodarsteller, wurde einem großen Publikum aber vor allem durch die Addams Family Filme bekannt. Leider hatte er beim Dreh von Street Fighter bereits mit seiner Krebserkrankung zu kämpfen. Der Drehplan musste komplett umgeschmissen und alle Szenen von Julia an den Anfang geschoben werden, was den Drehplan doch stark durcheinanderbrachte.

 

Julia übernahm die Rolle für seine Kinder, die Fans des Spiels waren und hatte augenscheinlich extrem viel Spaß an den Dreharbeiten. Als Inspiration sah er sich Filmaufnahmen vieler Despoten und Diktatoren an und sein Overacting passt sich perfekt in den ganzen wilden Reigen ein. Ein toller Schauspieler, der leider viel zu früh verstarb.

 

Auch Van Damme schien sich eine Scheibe von Julia abschneiden zu wollen. Was de Souza geritten hat, die Rede von Van Damme vor den Soldaten zu inszenieren bleibt wohl sein Geheimnis. Die Rede ist so geil, als Kind fand ich sie grandios motivierend und sie hat mich emotional gepackt. Inzwischen merkt man wir deplatziert diese ernste Szene zur Mobilmachung ist, das passt so gar nicht zusammen, aber ihr merkt ich wiederhole mich, das stört mich nicht, für mich ist das ein fehlgelaufenes Kunstwerk.

 

Zum weiteren Cast: Byron Mann als Ryu ist eine gute Entscheidung, dagegen passt Damian Chapa als Ken nicht wirklich. Zwar eigentlich ein ordentlicher Darsteller, aber kaum Ähnlichkeiten zur Vorlage. Wes Studi als Sagat hingegen gefällt mir außerordentlich gut. Er gibt dem Film Glaubwürdigkeit und ist neben Julia wohl der beste Schauspieler des Casts. Auch Vega ist gut gecastet und nah an der Spielvorlage. Der Film macht also auch Dinge richtig.

Zu den Damen: Ming-Na Wen (grandios ihr Flying Kick in Richtung Bison) und Kylie Minogue geben was her, auch wenn vor allem bei Minogue als taffe Kämpferin und Military Second in Command die Glaubwürdigkeit massiv gedehnt wird. Trotzdem, man versteht Van Damme, süß war sie.

Die restlichen Darsteller und Charaktere aus den Spielen stehen in der zweiten Reihe und werden nur oberflächlich gestreift, obwohl der Kampf zwischen Zangief (wird als Comic Relief genutzt) und Honda, inklusive Godzilla Referenzen, ordentlich Laune macht.

Die einzigen Charaktere bei denen ich damals und auch Jahrzehnte später noch massiv enttäuscht bin, bleiben Blanka und Dhalsim. Hier, were mehr möglich gewesen, eigentlich möglich sein müssen. Im Zweifel hätte ich eher auf Blanka verzichtet als ihn so darzustellen. Auch hätte man noch stärker auf die Kampfkunst der Charaktere eingehen dürfen, zwar wird das hier und da gemacht, aber mit angezogener Handbremse. De Souza wollte das übernatürliche hier eindämpfen, aber das hätte bei dem Gesamtkonstrukt wirklich nicht geschadet oder einen Unterschied gemacht.

 
Steven E. de Souza übernahm sich einfach, er versucht eine kohärente Geschichte zu erzählen, dazu den Fan des Spiels zufrieden zu stellen und noch Capcom glücklich zu machen. Daran scheitert er, zu meinem Glück, weil ich den Film genauso liebe wie er ist. Wenn Bison das Boot von Guile versenken will, dann nutzt er eine  Konsole mit den Arcade Buttons der damaligen Spielreihe, auf sowas muss man erstmal kommen. Als weiteres Beispiel sei die Schlussszene (alle posieren zusammen) genannt: Die passt sowas von gar nicht zum restlichen Film, aber i love it.

 

Der Filme wurde zum größten Teil in Australien gedreht, für die Szenen die Shadaloo City darstellen sollen wurden vor allem in Bangkok, Thailand gefilmt. Der Film hatte ein ordentliches Budget und das sieht man der Produktion auch an, das sieht wertig und exotisch aus.

 
Der Film bietet ordentliche Abwechslung zwischen guten Fights und Feuergefechten. Alle paar Minuten passiert etwas. Der Fight zwischen Guile und Bison ist auch herrlich over the top. Mein damaliger Kinogefährte meinte auch das sich Van Damme dreimal in der Luft drehen könnte :D Kinomagie in ihrer pursten Form verzaubert Kinderköpfe.

Der Film fiel bei Kritikern und Fans des Spiels total durch und landet auf Listen der schlechtesten Spielverfilmungen häufig im oberen Bereich, aber das ist mir total Wurscht. Der Film macht mir extrem Spaß und ist verdammt kurzweilig.

 

Das der Film nicht erfolgreich gewesen wäre ist tatsächlich nur ein Gerücht. Der Film hatte knapp das dreifache seiner Produktionskosten eingespielt und war auch auf Heimvideo erfolgreich. Also von den Kritikern und Fans zerissen, aber im Box Office erfolgreich, das gab es halt schon in den 90ern und egal wie, ich liebe den Film weiterhin. Man kann den Film schlecht finden, aber dann bitte so schlecht das er dadurch schon wieder unglaublich toll ist!

Fun Fact:
"Good Morning, Shadaloo" wird von Adrian Cronauer eingesprochen. Warum das interessant ist? Cronauer war die Basis für Robin Williams in Good Morning Vietnam und da sollte bei dem ein oder anderen Filmfan doch was klingeln.

 

Fazit: Der Film (nicht nur Van Damme) wirkt wie auf Koks! Total überdrehtes 90er Spekatakel, man kann und darf es nicht ernstnehmen, aber mir macht das so unfassbar gute Laune und Spaß. So etwas gibt es nicht mehr, Leider!