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#635 Avengement

Der Film nimmt keine Gefangenen!

Avengement (8/10)

 

Story:

Auf Freigang entkommt Cain (Scott Adkins) seinen Wächtern und kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück. Er will Rache an denjenigen nehmen, die ihn zu dem machten, was er ist: ein kaltherziger Killer. Cain wirft sich heldenhaft in eine blutige Schlacht in den Straßen einer gnadenlosen Stadt - auf der Suche nach seiner verlorenen Seele..

 

Jesse V. Johnson und Scott Adkins sind in den letzen Jahren eine sehr erfolgreiche und fruchtbare Regisseur-Darsteller Beziehung eingegangen. Mit Savage Dog, Accident Man, Debt Collector 1 & 2, Triple Threat und dem hier vorliegenden Avengement kommen die beiden auf bereits sechs Kollaborationen.

Triple Threat nehme ich aus der folgenden Betrachtung einmal raus, da es eher ein Ensamble Film ist. Savage Dog ist vllt der künstlerisch ambitionierteste Film. Debt Collector und Accident Man sind (so objektiv eingeschätzt wie möglich) die besseren Produktionen (größeres Budget, mehr Handlung), aber Avengement ist reduziert und verknappt auf das wirklich aller notwendigste und geht dafür von der Action und Brutalität her, richtig in die Vollen. 

Die Story ist Staffage, maximale Staffage und das ist auch ok so. Ich hätte mir tatsächlich etwas mehr Zeit mit Adkins Charakter vor dem Gefägnisaufenthalt gewünscht. Damit man seine Entwicklung entweder mehr nachvollziehen kann oder mehr Empathie mit seiner Rolle empfindet. So ist das einfach etwas schnell abgehandelt, aber naja da sehe ich mal darüber hinweg. Auch der biblische Einfluss (Cain = Kain und Abel anyone) ist natürlich offensichtlich. Aber die ältesten und simplesten Geschichten sind auch mit die besten.

 

Dafür gibt es kaum Pausen in dem Film, die Pausen sind eigentlich immer zwischen den Schlägereien und das kommt gefühlt tatsächlich alle 5 Minuten vor. Diese sind hart inszeniert. Bei der Szene mit den Zähnen rollen sich bei mir die Fußnägel auf bzw. die Phantom Zahnschmerzen kommen. Auch wenn ein Bad Guy mit der Schrotflinte exekutiert wird, da explodiert der Kopf in tausend Teile.

 

Der Film hat gefühlt wie gesagt alle 5 minuten einen Fight. Das absolute Highlight ist definitiv der Bar Fight am Ende. Der ist sehr ausgiebig und gar nicht so repetetiv gestaltet wie beführchtet (auf jeden Fall mir kam das nicht so vor). Der ist sehr hart und da kracht es an allen Ecken und Enden. Man spürt den Impact richtig. Der Pub Brawl, wenn man so will. ist im Action Genre der letzten Jahre sicherlich ein Highlight.

Johnson inszeniert das düster, kalt und mit vollem Fokus auf die Fights. Das hier kein Humor (oder wenn dann wirklich nur der extrem schwarze) vorhanden ist, das gefällt mir. Erfrischender Gegensatz zum aktuellen Mainstream, wo alles Tongue in Cheek sein muss. Der Theme Song gefällt mir richtig gut. Der hat so etwas schönes altmodisches. Was altmodisch, dramatisch und britisches.

Übrigens gibt es hier mein Interview mit Jesse, wo wir auch ausführlich über Avengement reden.

 

Adkins führte in Interviews aus das das vllt seine liebste Rolle ist. Kann man nachvollziehen, schließlich darf er hier auch einmal eine andere Seite von sich zeigen. Auch wenn sein Charakter (schlussendlich) vllt gar nicht so kaputt und verrückt ist wie gedacht, so ist das doch eine andere Seite eine wildere die er zeigen darf und das macht er doch mehr als ordentlich. Er hat sich in den vergangenen Jahren auch als Darsteller gemacht, im Vergleich zu Mitte/Ende der 2000er ist da doch ein großer Schritt zu bemerken.

Als großen Bruder sieht man hier Craig Fairbrass und das ist eine sehr gute Casting Entscheidung. Man brauchte jemand der gegenüber Adkins bestehen kann, eine gewisse Autorität ausstrahlt und Körperlichkeit mitbringt. Das macht alles Fairbrass, er sieht mit seiner Visage auch einfach aus wie ein Gangster. 

 

Nick Moran ist ideal besetzt als schmieriger und großmäuliger Gangster. Grundsätzlich ist das Casting hier mehr als ordentlich. Auch Ross O' Hennessy als korrupter Cop oder Mark Strange als einer der Kampfesbrüder in der Bar reihen sich ordentlich ein. Louis Mandylor der inzwischen auch zur Kerntruppe von Jesse V. Johnson gehört (und in Debt Collector dem guten Scott die Schau stiehlt) hat hier einen Auftritt.

 

Der einzige, größere Kritikpunkt bei der ganzen Sache ist das ich Cains Umgang mit der Figur der Bez nicht nachvollziehen kann. Es hätte zum Film mehr als nur gepasst hätte er die Bardame, die definitiv versucht, wenigstens in Beihilfe, ihn zu töten aus dem Weg geräumt hätte. 

 

Ist das ein Meisterwerk? Nein, nicht für mich. Da fehlt dann doch einiges zu. Der Spannungsbogen fehlt hier und da, die Story ist dünn und etwas mehr Abwechslung hätten dem Film gut getan. Auf der anderen Seite, ist das ein kleiner, harter und dreckiger Film und dafür macht der richtig Laune. Offenes Visier und ordentlich auf die Mütze.

 

Fazit: Immer mitten in die Fresse! Das ist das Motto von diesem Film und boy howdy, der Film und vor allem Adkins lieferen ab. 85 Minuten harte Action und Adkins zeigt zu was er auch als Darsteller in der Lage ist. Hard Hitting, no Shit, der Film macht auf seine Art richtig Laune!